Die norddeutsche Tourismuswirtschaft blickt mit zunehmender Skepsis auf die kommenden Monate. Hohe Kosten, internationale Unsicherheiten und eine zurückhaltende Nachfrage belasten sowohl Gastgewerbe als auch Reisewirtschaft. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Nord unter mehr als 300 Unternehmen der Branche.
Der Konjunkturklimaindex des Gastgewerbes ging gegenüber dem Frühjahr 2025 um 1 Punkt auf 87 Punkte zurück. 25 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, während 26 Prozent ihre Lage als „schlecht“ einschätzen. Pessimistischer fallen die Erwartungen für die kommende Saison aus: 37 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftslage, nur 13 Prozent mit einer Verbesserung. Als größte Risiken nennen die Betriebe des Gastgewerbes die Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise (86 Prozent), die Arbeitskosten (73 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (61 Prozent).
„Die wirtschaftliche Situation im Gastgewerbe bleibt angespannt. Während die Kosten für Energie, Waren und Personal nach wie vor hoch sind, lassen sich diese Mehrkosten nur begrenzt an die Gäste weitergeben, weil die Preissensibilität spürbar zugenommen hat“, sagt André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord.
Reisewirtschaft: Erwartungen trüben sich deutlich ein Besonders deutlich hat sich die Stimmung in der Reisewirtschaft eingetrübt. Reisebüros und Reiseveranstalter blicken skeptischer auf die kommenden Monate. Der Klimaindex der Branche ging erheblich von 107 Punkten im Frühjahr 2025 auf 69 Punkte zurück. Nur noch 21 Prozent bewerten ihre Lage als gut, während 33 Prozent sie als schlecht einschätzen. Mit fast 56 Prozent rechnet mehr als die Hälfte der Unternehmen mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung. Als größte Risiken sehen die Unternehmen zunehmende Energie- und Rohstoffpreise (64 Prozent), wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (54 Prozent) sowie die schwache Inlandsnachfrage (43 Prozent).
„Die Tourismuswirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Norddeutschland – und die aktuellen Umfrageergebnisse geben Anlass zur Sorge“, so André Grobien. „Ein Klimaindex von 69 Punkten und eine Mehrheit der Unternehmen, die mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung rechnet, sind klare Indikatoren für strukturellen Druck. Was die Branche jetzt braucht, sind konkrete Entlastungen – bei Energiekosten, Bürokratie und steuerlichen Rahmenbedingungen. Die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung setzt mit Maßnahmen wie dem Bürokratieabbau, der Flexibilisierung der Arbeitszeiten, der Digitalisierung von Verwaltungs- und Visaverfahren sowie der Gewinnung internationaler Fachkräfte wichtige Impulse. Entscheidend ist nun, dass diese Vorhaben zügig und praxisnah umgesetzt werden. Planungssicherheit ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Tourismuswirtschaft ihre Rolle als Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor im Norden dauerhaft sichern kann.“