Neumünster (em) Nun wissen die Neumünsteraner wieder, was die Stunde geschlagen hat: Die Uhr am Anscharkirchturm läuft wieder und zeigt exakt die Zeit an.
Drei Tage lang war ein Uhrmacher aus dem Osnabrücker Land zu Gange. Er hat das Werk aus dem Jahr 1951 komplett zerlegt, hat abgenutzte Zahnräder ausgetauscht, das Gestänge festgezogen und die Mechanik neu justiert. Knapp 4000 Euro hat sich die Ev.-Luth. Anscharkirchengemeinde die Reparatur kosten lassen - etwa so viel, wie man auch für eine moderne Funkuhr hätte ausgeben müssen. Eine bewusste Entscheidung, erklärt Pastorin Angelika Doege-Baden-Rühlmann: "Wir wollten das Schöne, das Ehrwürdige bewahren." Dass eine mechanische Uhr nie so genau sein kann, wie ein modernes Werk macht ihrem Kollegen Pastor Stefan Bemmé nichts aus, im Gegenteil: "Gerade in einer Zeit, in der alles immer ganz exakt sein muss, möchten wir zeigen: Das Alte hat auch seinen Wert."
Seit November des vergangenen Jahres hatte die Kirchturmuhr der Gemeinde Sorgen gemacht. Sie ging 25 Minuten und mehr pro Woche nach. Schließlich entschied man sich, die Zeiger bei Punkt 12 Uhr anzuhalten. "Daraufhin haben uns viele Menschen angerufen, uns E-Mails geschrieben, und gefragt, wann man sich wieder auf den Blick zum Kirchturm verlassen kann", erinnert sich Bemmé. Das ist jetzt wieder der Fall, zu jeder Viertelstunde schlägt die Glocke vom Turm. Das Werk tickt gleichmäßig wie die Standuhr in Omas Wohnzimmer. Alle zehn Tage vergewissert sich der Küster, dass die Uhr weder vor noch nach geht. "Und wir hoffen, dass sie nun mindestens die nächsten 50 Jahre durchhält", ist Pastorin Doege-Baden-Rühlmann zuversichtlich.
Foto: Pastor Stefan Bemmé und Pastorin Angelika Doege-Baden-Rühlmann haben sich zusammen mit dem Kirchengemeinderat bewusst dafür entschieden, die alte Kirchturmuhr aus dem Jahr 1951 zu erhalten.