Neumünster. Gründer der Notfallseelsorge in Neumünster, Pastor an der Anscharkirche und in Bönebüttel, stellvertretender Propst, Personal- und Organisationsentwickler und zuletzt Leiter des Zentrums kirchlicher Dienste: Der Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein verabschiedet nach 36 Jahren einen seiner wandlungsfähigsten Pastoren. Mit einem Gottesdienst in der Anscharkirche Neumünster beginnt für Pastor Christian Kröger am Sonntag, 7. Juni, um 16 Uhr die Mission Ruhestand.
Den Spitznamen „Pastor 007“ hat sich Christian Kröger im Kirchenkreis Altholstein erarbeitet, weil er immer dort zugepackt hat, wo er gerade gebraucht wurde. „Ich hatte nie das Bedürfnis, mich ganz nach vorne in die 1. Reihe zu stellen. Lieber habe ich in der 2. Reihe dafür gesorgt, dass die Sache gut klappt“, sagt Kröger bescheiden. Dabei hat er häufig genug gezeigt, dass er auch Nummer 1 kann. Als in Neumünster nach dem Ruhestand von Stefan Block die Propstenstelle vakant war, sprang er ein und schwamm wie ein Fisch im Wasser - ohne sich erst lange einarbeiten zu müssen. Danach wollte Kröger eigentlich direkt in den Ruhestand wechseln. Doch als er gefragt wurde, ob er nicht noch für eine Zeitlang die Leitung des Zentrums kirchlicher Dienste übernehmen könne, schob er das Rentnerleben noch ein Jahr hinaus.
Dabei würde das, was Christian Kröger als Pastor schon erlebt und bewegt hat, locker für den Ruhestand reichen. Nahezu sein ganzes Berufsleben hat er zwischen der Anscharkirche in Neumünster und der Martinskapelle in Husberg / Bönebüttel verbracht. Dabei hatte er, als er am 1. Mai 1990 als junger Pastor seinen Dienst in der Anscharkirchengemeinde angetreten hat, schon jede Menge Abenteuer hinter sich. Eben noch hatte er tausende Kilometer von Schleswig-Holstein entfernt in Papua-Neuguinea als Pastor gearbeitet. Sein Auftrag: im Hochland, irgendwo auf zwei Hektar Urwald, eine Missionsstation für die evangelische Kirche aufbauen. Mit Ehefrau und kleinem Kind geriet Kröger dort zwischen Stammesunruhen und Bandenkrieg. „Ich bin sieben Mal überfallen und bedroht worden und habe öfter von vorne in ein Gewehr geguckt“, erinnert sich Kröger.
Auch in Neumünster rissen die Abenteuer scheinbar nicht ab. Hautnah erlebte er die Besetzung der Anscharkirche durch rund 80 Asylsuchende im Herbst 1991 mit. Wochenlang schliefen sie dort auf Matratzen, mittendrin feierte die Gemeinde täglich eine Abendandacht. „Dann sollte die Kirche geräumt werden, und wir haben Infoblätter davor verteilt. Wie ich dabei von Leuten, die vorbeigingen, angegiftet worden bin, das ist bis heute ein tiefsitzendes Erlebnis“, sagt der Pastor.
Im Laufe seines Berufslebens bildete Kröger sich weiter, machte unter anderem eine pastoralpsychologische Zusatzausbildung. Das war für ihn ein Auslöser, in Neumünster 1999 die Notfallseelsorge ins Leben zu rufen: „Die Verbindung war auch da, weil ich seit ich 14 Jahre alt war, Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr war. Statt Feuer auszumachen, war ich dann als Seelsorger im Einsatz.“
Aber das Lagerfeuer, das hat er weiterhin regelmäßig entfacht. In Husberg hat Christian Kröger vor 25 Jahren die Pfadfindergruppe gegründet, die bis heute floriert. Seine Kinder hat er kurzerhand immer mit auf die Lager genommen. Und natürlich seine Gitarre.
Denn Christian Kröger ist nicht nur Pastor, sondern auch Musiker. „Ich spiele Gitarre, Banjo, Ukulele und habe mit Kontrabass angefangen: also alles, was Saiten hat und nicht schnell genug wegkommt“, lacht er. Mit seiner Band „Blue Highway“ spielt Kröger auf Bällen und begleitet mit Tanzmusik die Silvesterreise der Finnlandfähre von Lübeck nach Helsinki. Und dann ist er noch Mitglied bei den eher volkstümlich angehauchten Schwale-Krainern.
Die Musik soll auch im Ruhestand nicht zu kurz kommen. „Dann möchte ich noch mit einem Freund Motorrad fahren, der Garten wartet, meine Frau und die sechs Enkelkinder. Ich will viel lesen und mal einfach nur dasitzen und auf die Ostsee schauen.“ Aus dem operativen Geschäft möchte er sich komplett zurückziehen, vielleicht noch mal einen plattdeutschen Gottesdienst halten, wenn’s passt. Kröger betont: „Ich bin sehr gerne Pastor, ich habe das gelebt. Das bin ich und das bleibe ich auch.“
