Neumünster/München. Die Stadtwerke München (SWM) und die Schweizer Infener AG haben einen Letter of Intent zur Beteiligung der SWM am geplanten Wasserstoff-Hub in Neumünster unterzeichnet. Das gaben die Partner bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Neumünster gestern bekannt: Mit dem Einstieg eines der größten kommunalen Energieversorger Deutschlands erhält das Leuchtturmprojekt für dezentrale grüne Wasserstoffproduktion in Schleswig-Holstein einen strategisch wichtigen Partner aus dem öffentlichen Sektor.
Die Partnerschaft geht über eine reine Finanzbeteiligung hinaus: Die Stadtwerke München bringen auch ihre eigene kommunale Expertise im Energiebereich ein. Für die SWM wiederum bietet der Hub Neumünster ein aussichtsreiches Pilotprojekt, um sich für den erwarteten Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft strategisch zu positionieren.
Tobias Bergmann, Oberbürgermeister der Stadt Neumünster: „Mit der unterzeichneten Vereinbarung und der strategischen Partnerschaft zwischen Infener und den Stadtwerken München ist ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung des H2-Hubs in Neumünster getan. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen für innovative Energieprojekte am Standort zu schaffen. Neumünster bietet dafür mit seiner Lage und Infrastruktur hervorragende Ausgangsbedingungen.“
Dr. Gregor Neunzert, Leiter der Gasbeteiligungen der Stadtwerke München: „Die SWM engagieren sich im Wasserstoffbereich entlang der Wertschöpfungskette bereits im Transport. Beteiligungen an der Erzeugung werden derzeit geprüft. In diesem Zusammenhang ist das Projekt Neumünster aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten und der angestrebten Partnerschaften mit Infener und regionalen Energieversorgern sehr geeignet.”
Joel Vogl, CEO und Gründer von Infener: „Mit den Stadtwerken München gewinnen wir einen Partner, der kommunale Energieversorgung von Grund auf versteht. Diese Partnerschaft zeigt: Die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft liegt nicht nur in Mega-Projekten an der Küste, sondern in dezentralen Hubs, die dort produzieren, wo Wasserstoff gebraucht wird. Neumünster wird zur Blaupause für diese neue Infrastruktur – und mit Hilfe der SWM können wir dieses Wissen in ganz Deutschland multiplizieren."
Ein zentraler Meilenstein für den H2-Hub ist die Anbindung an das Hochspannungsnetz. Hier arbeiten TenneT und Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) eng zusammen: TenneT errichtet das Umspannwerk, an das der Hub angeschlossen wird, während SH Netz die Leitungsinfrastruktur realisiert.
Schleswig-Holstein produziert mehr Strom aus Wind und Sonne, als das Netz aufnehmen kann. Allein 2024 wurden rund 812 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt – Energie, die produziert, aber nicht genutzt werden konnte. Die Kosten dieser sogenannten Redispatch-Maßnahmen beliefen sich auf 78,4 Millionen Euro. Dezentrale Elektrolyseure wie der H2-Hub Neumünster bieten eine Lösung: Sie können Überschussstrom vor Ort in Wasserstoff umwandeln, statt ihn ungenutzt zu lassen. Das entlastet die Netze von TenneT und SH Netz – und verwandelt ein Kostenproblem in Wertschöpfung: grünen Wasserstoff für die regionale Industrie und Mobilität.
