Norderstedt (em) Am 2. November findet im Music Star in Norderstedt, Marktplatz 11, ein Konzert von Walter Salas Humara und Jerry Joseph statt. Beginn ist um 20 Uhr.

Walter Salas-Humara, Bandleader der wahrlich legendären und kultisch verehrten Band Silos, kommt auf eine Solo-Tour nach Europa um das neue Werk der Silos, „Florizona“, vorzustellen. The Silos, eine der ganz großen Bands des Indie/Alt.Americana Pop, feiern in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum auf dem Blue Rose-Label und haben dafür zeitgerecht ein neues Studioalbum fertiggestellt. Florizona - dieser Kunstname allein strahlt schon Frische und Fantasie aus! Und steht gleich für Zweierlei: ein fulminantes Comeback nach langer Recording-Pause und die uneingeschränkte Gewissheit, dass es mit den guten Song-Ideen eines Walter Salas-Humara immer weiter geht.

Die Silos aus New York gehörten ab Mitte der 80er Jahre zur besonderen Gruppe all jener Critics' Darlings-Bands, die ähnlich wie Velvet Underground, die späten Byrds, Television, die Feelies oder Green On Red einfach zu gut und ihrer Zeit stets voraus waren und ihre so eminent einflussreiche Musik nicht in größerem Maß verkaufen konnten, wie sie es verdient hätten. Sie standen mit ihren ersten Alben für sensiblen, klugen, einprägsamen amerikanischen Indie Pop-goes-Alt.Country Rock der Königsklasse. „About Her Steps“ (1985), „Cuba“ (87) und „Silos“ (90) begeisterten die Rezensenten und platzierten sich in den Jahreslisten der einschlägigen Rock-Magazine. Ja, vor allem das formal eigentlich fast schlichte Großwerk Cuba bleibt unvergessen, wird in vielen „Top Rock History“-Kritikercharts geradezu kultig vergöttert! Die 90er Jahre waren geprägt von der Rastlosigkeit und Experimentierfreude des Silos-Masterminds Walter Salas-Humara. Nach der Verlegung seines Lebensmittelpunktes in die Austin Scene und nach den wundervollen Anschlussalben „Hasta La Victoria“ und Diablo (aka Susan Across The Ocean) in 92/94 gründete er mit Alejandro Escovedo und Michael Hall das Trio The Setters, veröffentlichte Soloalben, spielte aktiv bei Vulgar Boatmen, Willard Grant Conspiracy und Hazeldine mit, reaktivierte die Silos in unterschiedlichen Konfigurationen und betrat mit ihnen auf der 98er CD Heater (und dem Cooler-Pendant) klanglich und musikalisch neue Wege.

Bei all diesen Aktivitäten ging der ehemals so einzigartige Spirit ein wenig verloren, außerdem hatte sich das musikalische Szenario drumherum mit dem Boom von Alt.Country, No Depression und Americana radikal gewandelt. Die Silos waren jetzt eine Band unter vielen Gleichgesinnten und mussten sich ihren Platz im großen Pool erst wieder zurückerobern. Und das geschah ab dem neuen Millennium und dem Umzug zurück nach Brooklyn dauerhaft und nachhaltig bei Blue Rose Records. Mit den Alben Laser Beam Next Door (01), When The Telephone Rings (04) und Come On Like The Fast Lane (06) sowie einer erstmalig personell stabilen Besetzung mit Bassist/Multiinstrumentalist Drew Glackin und Drummer Konrad Meissner avancierten sie mittlerweile zu den verlässlichen Größen des Labels! Aber nichts ist für ewig, Anfang 2008 erlitten die Silos einen schweren Schock, als Drew Glackin völlig unerwartet und mit 44 Jahren natürlich viel zu früh an einem Herzanfall starb. Salas-Humara und Meissner gaben zwar ihre Band nicht auf, beschränkten sich aber auf ausgesuchte Livekonzerte, waren lange nicht in der Verfassung, konzentriert an neuen Songs zu arbeiten. Salas-Humara fand später im Jahr den nötigen Abstand über ein gemeinsames Projekt mit dem bekannten Erfolgsschriftsteller Jonathan Lethem als I'm Not Jim - You Are All My People war Rock'n Roll mit Spoken Word/Poetry, Electronic Music, HipHop, Remixing, etc. Aber 2011 ist wieder Silos-Jahr! Personell rundum renoviert und musikalisch wieder in der alten Spur, scheinen sie mit ihrem aktuellen, insgesamt 10. offiziellen Studioalbum Florizona geradewegs in einen kreativen Jungbrunnen gefallen zu sein.

Die 10 neuen Titel, allesamt Teamarbeiten von Salas-Humara mit Weggefährten und Freunden, strotzen nur so vor melodischer Kraft, kreativem R&R-Geist, zupackenden Gitarren und einem satten, vollen Sound wie man ihn wohl noch nie auf einer Silos-Scheibe gehört hat. Walter Salas- Humara, der früher auch gerne mal alle Instrumente selber bedient hat, kann sich dank des neuen Line-ups voll auf seine Rolle als Frontmann, Leadsänger und Gitarrist konzentrieren. Der vielseitig einsetzbare Rod Hohl (Ex-Mary Lee's Corvette) spielt als Nachfolger von Drew Glackin Bass, Gitarren, Dobro, Lap Steel und hat produziert. Konrad Meissner sitzt weiterhin am Schlagzeug, aber mit Keyboarder Bruce Martin (wie Glackin zuvor bei Tandy) und ganz besonders mit dem außerordentlich talentierten Jason Victor (von Steve Wynn & The Miracle 3), der für all die ungewöhnlichen Lead Guitar-Klanglandschaften steht, erfährt diese Band ein ganz neues Profil! Dazu gibt es diesmal reichlich Gastmusiker: die Gitarristen Whit Williams (Cotton Mather), Dan Wilson (Semisonic), Mike Hoffmann (Semi-Twang) und Gary Sunshine (Silos-Familie), Ex-Wild Seeds Randy Franklin an der Mandoline, Michelle Anthony mit Keyboards und Harmony Vocals, Amy Allison als zusätzliche Sängerin auf gleich vier Nummern sowie Bruder Charlie Salas-Humara am Cello auf dem abschließenden „The Ring Of Trees“. Zuvor erinnert der Silos-Sound auf Florizona in seiner komplexen Transparenz des öfteren an R.E.M., Wilco und The Minus 5. Vom druckvoll-singenden Opener „Coming From The Grave“ geht's über das schleppende „On Your Way Home“ direkt zum Ohrwurmrefrain von „White Vinyl“. Danach begeistern das psychedelisch-folkig verspielte 'Gravity', der Geradeaus-Rocker „Teenage Prayer“, das alt.rootsige „Hold You In My Arms“ und „Getting Trashed“ mit dem „Losing My Religion“-Riff. „Election Day“ ist eine von den sich diesmal in Unterzahl befindlichen großen neuen Silos-Balladen! Mit dieser wahrlich deutlichen Qualität haben Walter Salas-Humara und die Silos ihren Status als Referenzband im Independent-Bereich und als Darling der Alt.Americana/No Depression-Szene mal wieder kräftig untermauert!