Bad Segeberg. Mit scharfer Kritik reagiert die Senioren-Union Segeberg auf die jüngsten Aussagen des Ökonomen Prof. Marcel Fratzscher, der in einem Podcast die Einführung eines „Höchstwahlalters“ von 70 Jahren ins Spiel brachte. Fratzscher hatte erklärt, wenn junge Menschen in den ersten 18 Jahren ihres Lebens nicht wählen dürften, sollten Ältere in den letzten 18 Jahren ebenfalls auf ihr Wahlrecht verzichten.
„Das ist ein unfassbar undemokratischer und diskriminierender Vorschlag“, erklärt die Kreisvorsitzende Ursula Michalak. „Wer älteren Menschen das Wahlrecht absprechen will, greift direkt den Kern unserer Demokratie an – und das mit einer Arroganz, die fassungslos macht. Wer so über Millionen Bürgerinnen und Bürger spricht, die dieses Land aufgebaut haben, zeigt ein erschreckendes Maß an Respektlosigkeit.“
Fratzschers wiederholte Behauptung, ältere Generationen bremsten Reformen und belasteten die Jüngeren, sei nicht nur falsch, sondern auch ein Angriff auf eine zentrale Wählergruppe der CDU. „Bei der letzten Bundestagswahl haben 38 Prozent der über 60-Jährigen CDU gewählt. Wer diese Menschen so abwertet, greift damit auch die Werte und Wählerbasis der Christlich-Demokratischen Union an“, so Michalak.
Fratzschers Vorschlag ist ein krasser Widerspruch in sich: Erst fordert Fratzscher ein verpflichtendes soziales Jahr für Senioren, möchte ihnen aber gleichzeitig mit 70 Jahren das aktive Wahlrecht entziehen. Das ist eine paradoxe Logik: Man zwingt ältere Menschen zur gesellschaftlichen Pflicht, spricht ihnen aber gleichzeitig ein fundamental wichtiges demokratisches Recht ab und verweigert die volle politische Teilhabe. Kurz gesagt: Zuerst sollen die Senioren der Gesellschaft dienen, dann sollen sie schweigen.
Die Senioren-Union fordert Fratzscher auf, seine pauschalen und provozierenden Angriffe auf die ältere Generation zu unterlassen. „Wenn solche Aussagen ernst gemeint sind, sind sie gefährlich. Wenn sie nur als Provokation oder gar als Witz gedacht waren, ist das umso schändlicher – denn über den Verlust demokratischer Rechte macht man keine Witze“, so Michalak abschließend.
Die Senioren-Union erinnert daran, dass das Wahlrecht ein unveräußerliches Grundrecht ist – unabhängig vom Alter. „Demokratie lebt vom Miteinander der Generationen, nicht von deren Spaltung.“
