Bad Segeberg. Mexikanische Señoritas mit wirbelnden Kleidern in einem temperamentvollen Tanz, eine reißende Hängebrücke vor einem gewaltigen Feuerball, eine verwegene Reitergruppe und mittendrin die prominenten Hauptdarsteller des neuen Wildwest-Abenteuers „Im Tal des Todes“ – all das zeigt das neue Plakat der Karl-May-Spiele. Bald schon wird dieses Motiv in ganz Norddeutschland zu finden sein. Mit der Vorstellung des Plakates ist der Startschuss für die Werbekampagne der Karl-May-Spiele 2026 gefallen.

Zum fünften Mal lag die Gestaltung in den Händen von Illustrator Samson Goetze aus Osterrönfeld bei Rendsburg. Der 38-Jährige, der ein junger Star seiner Branche ist, setzte auf ein betont farbenfrohes Bild, das die Betrachter auf Mexiko als Spielort der neuen Inszenierung einstimmt. „Die fliegenden Stoffe der bunten Kleider zu malen, war sehr herausfordernd“, erzählt er lachend, „aber ich habe mich durchgebissen.“ 

Blickfang des Plakates sind die vier Hauptdarsteller: Alexander Klaws als Apachenhäuptling Winnetou, Isabel Varell als Señorita Miranda, Florian Fitz als Bergwerksbesitzer Roulin und Heinrich Schafmeister als skurriler britischer Aristokrat Sir John Raffley. „Es war eine große Freude, auch mal einen Comedy-Charakter mit solch einem komischen Gesichtsausdruck zu zeichnen“, sagt Samson Goetze. 

Karl-May-Chefin Ute Thienel ist mit dem Plakat ausgesprochen zufrieden. „Einen Künstler wie Samson Goetze zu finden, ist ein absoluter Glücksgriff“, betont die Geschäftsführerin. „Er besitzt das Talent, die Atmosphäre eines ganzen Abenteuers in einem einzigen Bild lebendig werden zu lassen. Wir sind sehr stolz, dass wir ihn für die Karl-May-Spiele gewinnen konnten. Er ist eine große Bereicherung für unser Team. Seine Plakate wecken Vorfreude auf all das, was unsere Inszenierungen ausmacht: Action, prächtige Kostüme, Komik und unsterbliche Helden.“

Da in diesem Jahr vier statt drei Hauptdarsteller abgebildet werden mussten, änderte sich die Gestaltung des Motivs ein wenig – und das hat Samson Goetze gefallen. „Es hat mir besonders Spaß gemacht, die Charaktere etwas kleiner zu zeichnen und damit mehr in die Casaro-Richtung zu gehen.“ Der Italiener Renato Casaro hat 26 Jahre lang die Plakate für die Karl-May-Spiele gestaltet und war ein Weltstar seines Faches. Samson Goetze hat großen Respekt davor, der Nachfolger dieses Künstlers zu sein. 

Erstmals seit Jahrzehnten ist auf einem Plakat der Karl-May-Spiele auch ein weiterer heimlicher Hauptdarsteller abgebildet: der Kalkberg selbst. Bis auf einige abstrakte Darstellungen auf den ersten Plakaten nach der Gründung im Jahre 1952 war er nie wieder zu sehen – und Samson Goetze brachte ihn gestalterisch zurück. Außerdem können aufmerksame Betrachter auch Bastian Semm als Old Shatterhand und Volker Zack als Westernkauz Sam Hawkens auf dem Bild entdecken.

Das Plakat ist der wichtigste Werbeträger der Karl-May-Spiele.“ 20.000 Exemplare werden in unterschiedlichen Größen und Formaten gedruckt. Ute Thienel: „Besonders gut zur Geltung kommen sie in Hamburg und Lübeck auf hochwertigen City-Lights.“ Darüber hinaus werden 300.000 Flyer produziert. Digital wird der Flyer ab sofort auf www.karl-may-spiele.de zum Download angeboten.

Das Abenteuer „Im Tal des Todes“ läuft vom 27. Juni bis zum 6. September. Es stehen 72 Vorstellungen auf dem Programm, die donnerstags bis samstags um 15 und 20 Uhr und sonntags um 15 Uhr beginnen. Tickets sind auf www.karl-may-spiele.de erhältlich. Regie führt Nicolas König. Das Buch stammt von Michael Stamp. Die Produktions- und Spielleitung wird von Stefan Tietgen übernommen.

Zur Person: Plakatkünstler Samson Goetze

Samson Goetze, zum fünften Mal der Plakatkünstler der Karl-May-Spiele, hat bereits als Kind gern zum Stift gegriffen. „Ich habe meine ganze Fantasie schon immer über das Zeichnen ausgelebt. Grundsätzlich glaube ich, dass jeder das lernen kann. Ich habe aber offenbar eine relativ gute Beobachtungsgabe.“ Der gebürtige Kieler glänzte beim Kunstunterricht in der Schule und zeichnete auch in seiner Freizeit viel – vor allem Motive aus dem Fantasy-Bereich. Der Gedanke, aus diesem Talent einen Beruf zu machen, beschäftigte Samson Goetze schon in seiner Jugend. 

Umso kälter war die Dusche, die ihm nach Schulabschluss und Abitur eine norddeutsche Kunsthochschule verpasste. Samson Goetze hatte eine umfangreiche Mappe seiner Arbeiten eingereicht und erntete eine vernichtende Absage. Bei ihm seien weder grundlegende zeichnerische Fähigkeiten noch räumliches Denken festzustellen, und von Gespür für Farbe könne ebenfalls keine Rede sein. Der junge Künstler nahm es sportlich, wie er lachend berichtet: „Alle, die ihre Mappen wieder abholen mussten, hatten diesen Text.“ Entmutigen ließ er sich von der Abfuhr nicht.

„Das Chamäleon“ kann in nahezu jedem Kunststil arbeiten.

Samson Goetze entschied, sich auf Grafik-Design und eine Karriere als Illustrator zu verlegen. Drei Jahre lang besuchte er die Akademie für Gestaltung in Hamburg. Nebenher verdiente er Geld mit ersten Illustrations-Aufträgen für eine Eventagentur. An der Akademie erhielt er einen anerkennenden Spitznamen: „das Chamäleon“. Er konnte in nahezu jedem Stil arbeiten. „Das war Fluch und Segen zugleich“, sagt Samson Goetze. „Denn ich wusste dadurch nicht: Was ist mein eigener Stil? Was macht mich aus?“ Inzwischen hat er es herausgefunden. „Das Besondere bei mir sind die Gesichter der Menschen. Meine Figuren sind sehr filmisch – und es ist mir wichtig, dass sie auch miteinander agieren. Das setze ich auch bei meinen Plakaten für die Karl-May-Spiele um.“ 

Samson Goetze malte Friedrich Merz für die „Spiegel“-Titelseite.

Die Lebendigkeit der Figuren und seine Vielseitigkeit haben Samson Goetze schon viele Türen geöffnet. Erstmals arbeitete er 2015 für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Für die Titelseite zeichnete er passend zur griechischen Finanzkrise einen gut gelaunten Griechen neben dem Inbegriff eines spießigen deutschen Urlaubers, der sein Geld zählt. Mittlerweile hat Samson Goetze schon weit über 20mal das Spiegel-Cover gestaltet – zum Beispiel mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in James-Bond-Pose mit Impfspritze statt Walther PPK sowie Friedrich Merz und Lars Klingbeil in einer Art politischer Fesselung. Hinzu kommen Illustrationen für den Innenteil des Heftes. Über 50 Arbeiten hat er schon beim Spiegel abgegeben. Ebenso gefragt ist der Künstler bei National Geographic und Geo Epoche. Außerdem hat er CD-Cover gestaltet und für das Berliner Museumsdorf Düppel mehrere drei Meter hohe Bilder gemalt. Im Lippischen Landesmuseum Detmold begeisterte er das Publikum mit nahezu fotorealistischen Bildern zum Leben in der Römerzeit. 

Samson Goetze malt ganz klassisch von Hand, allerdings auf einem 27 Zoll großen Tablet-Computer und somit vollständig digital. Dadurch kann man leichter mit Hintergründen, Lichtstimmungen und Gesichtsausdrücken experimentieren. „Die Farben sollen sich aber verhalten wie auf einer Leinwand.“