Bad Segeberg. Mit einer musikalischen Lesung der Kinderbuchautorin und Musikerin Claudia Gliemann hat das Projekt „Bücherliste und Bücherkiste" des Arbeitskreises Kinder psychisch belasteter Eltern (AK KPBE) im Kreis Segeberg seinen öffentlichen Höhepunkt gefunden. Zahlreiche Familien folgten der Einladung in den „WortOrt" Bad Segeberg und erlebten eine einfühlsame Lesung aus dem preisgekrönten Bilderbuch „Papas Seele hat Schnupfen".

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Kinder altersgerecht an das Thema psychische Erkrankungen herangeführt werden können. Mit Musik, Bildern und viel Raum für Fragen gelang es Claudia Gliemann, das Thema sensibel und zugleich verständlich zu vermitteln.

„Gerade Bilderbücher sprechen verschiedene Sinne an. Das, worüber oft geschwiegen wird, bekommt Worte und Bilder – das kann für Kinder sehr entlastend sein", erklärt die Autorin. Bücher ermöglichten es Kindern, sich im eigenen Tempo mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen und darüber ins Gespräch zu kommen.

„Bis Klasse 2 spreche ich von der ‚Traurigkeitskrankheit', ab Klasse 3 von Depression. Oft haben bereits viele Kinder von der Erkrankung gehört." In ihren Lesungen erklärt die Autorin psychische Erkrankungen als „Erkrankungen der Seele" und entwickelt gemeinsam mit den Kindern ein altersgerechtes Verständnis dafür.

Die Lesung bildete zugleich den Abschluss eines Projekts, das in den vergangenen Monaten vom Arbeitskreis Kinder psychisch belasteter Eltern entwickelt wurde. Herzstück sind über 50 Bücherkisten, die das Fachgebiet Sozialpsychiatrie an alle Grundschulen im Kreis Segeberg verteilt hat. Jede Kiste enthält rund 30 Kinderbücher zu Themen wie psychische Erkrankungen, Trauer, Trennung, Sucht, Angst, Resilienz, Selbstwert und den Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Ergänzt wird das Angebot durch eine umfangreiche öffentliche Bücherliste mit weiteren Literaturempfehlungen für Kinder und Jugendliche.

„Kinder erleben psychische Erkrankungen in ihren Familien häufiger als viele vermuten. Bücher können dabei helfen, Gefühle zu verstehen, Sprache für schwierige Situationen zu finden und zu zeigen: Du bist mit deinen Sorgen nicht allein", sagt Dr. Sylvia Hakimpour-Zern, Leiterin des Fachgebietes Sozialpsychiatrie des Kreises Segeberg.

Dr. Victoria Witt, Ärztin des Fachgebietes und Mitinitiatorin des Projekts, betont die Bedeutung der Lesung als öffentliches Zeichen gegen Stigmatisierung: „Psychische Erkrankungen gehören zur Lebensrealität vieler Familien. Wenn wir Kinder früh und altersgerecht darüber aufklären, fördern wir Verständnis, Mitgefühl und die Bereitschaft, offen über seelische Belastungen zu sprechen. Genau dafür stehen unsere Bücherkiste und die Bücherliste."

Claudia Gliemann zeigte sich beeindruckt von dem Engagement im Kreis Segeberg: „Die Bücherkisten finde ich eine großartige Idee, weil sie das Thema dorthin bringen, wo alle Kinder erreicht werden können."

Das Projekt „Bücherliste und Bücherkiste" wurde gefördert vom Ministerium für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein, dem Kreis Segeberg sowie der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein e. V. Die Lesung wurde unterstützt vom „WortOrt" Bad Segeberg sowie dem Druckwerk Bad Segeberg.

Der Arbeitskreis Kinder psychisch belasteter Eltern wird sich auch künftig dafür einsetzen, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren, Kinder zu stärken und den Kinderschutz im Kreis Segeberg weiter zu fördern.

Die Bücherliste sowie weiterführende Hilfe-Wegweiser für Familien mit psychischen Belastungen stehen unter www.segeberg.de/akkpbe zum Download bereit.

Foto: Über 50 Bücherkisten hat das Fachgebiet Sozialpsychiatrie an alle Grundschulen im Kreis Segeberg verteilt. Das Foto zeigt (von links): Dr. Sylvia Hakimpour-Zern und Karin Kühle (beide Kreis Segeberg), Autorin Claudia Gliemann und Projekt-Mitinitiatorin Dr. Victoria Witt. Foto: Kreis Segeberg