Bad Segeberg. Die Erlebnisausstellung "Noctalis – Welt der Fledermäuse" begrüßt zwei neue, flauschige Bewohner: Die Kurzkopfgleitbeutler Merry und Pippin sind gestern in ihr neues Zuhause eingezogen. Die beiden Neuankömlinge bereichern ab sofort das pädagogische Konzept der Erlebnisausstellung und bieten faszinierende Einblicke in die Parallelen der Natur.
Hinter den beiden Gleitbeutlern liegt eine turbulente Reise: Nach einem Trauerfall in ihrem alten Zuhause kamen sie über ein süddeutsches Tierheim in das Tierschutzzentrum Weidefeld in Kappeln. Nun fand ihre Odyssee im Fledermaus-Zentrum Noctalis ein Ende und so haben sie hier ihr endgültiges, artgerechtes Zuhause gefunden. Zwar sind die zwei noch ein wenig schüchtern, doch ab heute können neugierige Besucherinnen und Besucher die beiden in unserer Erlebnisausstellung willkommen heißen.
Nur, was machen Beuteltiere in einer Fledermausausstellung? Die Antwort liegt in der konvergenten Evolution, denn die nachtaktiven Kurzkopfgleitbeutler (auch "Sugar Glider" genannt) und Fledermäuse sind nicht verwandt, haben aber unabhängig voneinander ähnliche Strategien entwickelt, um den nächtlichen Himmel zu erobern.
Der entscheidende Unterschied: Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sugar Glider nutzen ihre Gleithaut als Segel und gleiten passiv bis zu 60 Meter weit von Baum zu Baum.
Merry und Pippin sind echte Exoten, denn Sugar Glider stammen eigentlich aus Australien und Neuguinea. Als Beuteltiere ziehen sie ihren Nachwuchs im Beutel groß, ein spannender Kontrast zu Fledermäusen, deren Jungtiere sich sofort nach der Geburt im Fell der Mutter festklammern. Ihr Name "Sugar Glider" verrät ihre Vorliebe für Süßes: In der Heimat ernähren sie sich von zuckerhaltigen Baumsäften, Pollen und Nektar, im Noctalis steht frisches Obst und das ein oder andere schmackhafte Insekt für sie auf dem Speiseplan.
"Wir freuen uns sehr über diesen Zuwachs", sagt das Team des Noctalis. "Merry und Pippin ermöglichen es uns, im Rahmen der Umweltbildung zu zeigen, wie die Natur unterschiedliche Wege findet, um denselben Lebensraum zu besiedeln. Der direkte Vergleich zwischen den flinken Fliegern und den eleganten Gleitern macht Biologie für unsere Gäste greifbar."
Der Einzug der beiden Gleiter ist aber auch eine wichtige Erinnerung daran, dass Exoten besondere Ansprüche haben. Merry und Pippin sind, wie schon die zwei Nilflughunde im letzten Jahr, über das Tierschutzzentrum Weidefeld ins Noctalis Fledermaus-Zentrum gekommen. In Privathaushalten ist es kaum möglich, Wildtieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen, weshalb sie leider immer wieder in Tierheimen landen. Da die meisten Heime jedoch gar nicht auf so spezielle Bewohner vorbereitet sind, verdeutlicht ihre Geschichte, wie wichtig ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Tierhaltung ist.
