Neumünster. Das Keramikkünstlerhaus lädt ein: Am Mittwoch, den 13. Mai, eröffnet um 18 Uhr die Ausstellung der beiden aktuellen Gastkünstler:innen Aliki Papadimitriou aus Griechenland und Corwyn Lund aus Kanada. Die beiden Künstler:innen haben dieses Jahr jeweils eins von sechs international ausgeschriebenen Aufenthaltsstipendien erhalten, das sogenannte °Ceramic Artist Exchange – Tandem. Das Stipendium umfasst die freie Nutzung der Werkstatt, des Ateliers, der Wohnung und der Öfen. Materialien werden bereitgestellt und zudem gibt es ein kleines Honorar für die Zeit des Aufenthalts. Seit dem 1. April leben und arbeiten die beiden Künstler:innen nun gemeinsam im Keramikkünstlerhaus.
Aliki Papadimitriou, Bildhauerin aus Griechenland, hat an der Hochschule der Bildenden Künste Athen sowie an der Höheren Schule für Bildende Künste und Marmorkunsthandwerk in Panormos auf Tinos studiert. Ihr Hauptmaterial ist Ton, den sie häufig mit anderen Materialien durch modulare Verbindungen kombiniert, um nicht-funktionale Skulpturen zu schaffen, die die Materialität betonen. Ihre Arbeiten sind inspiriert von Werkzeugen, Maschinen, Spielzeug und Alltagsgegenständen. Für Aliki Papadimitriou ist das handwerkliche Arbeiten eine Form des Spiels, und ihre Skulpturen erinnern oft an Erfindungen, während ihre modulare Struktur an Kinderspielzeug zum Bauen denken lässt. Sie beschäftigt sich kontinuierlich mit der Frage, wie Alltagsgegenstände neu gedacht und zusammengesetzt werden können.
Während ihres Aufenthalts im Keramikkünstlerhaus schuf sie die Serie “Grupos on the ceiling of Hauptstraße 51”, eine Gruppe mittelgroßer Skulpturen aus unglasierter Steinzeugmasse und auf der Straße in Neumünster gefundenem Holz. Diese modularen Skulpturen aus Keramik und bearbeitetem Fundholz vereinen hybride Formen, die von industriellen Elementen aus Neumünster, auf Flohmärkten in Athen und Deutschland gefundenen Objekten sowie maschinenartigen Konstruktionen aus ihrem Skizzenbucharchiv inspiriert sind.
Corwyn Lund (Kanada) präsentiert im Keramikkünstlerhaus die Installation „Thin Premise“. Darin zeigt er seine Untersuchungen zu einem spezifischen Verfahren des Brennverformens (Kiln-Slumping) mit dünnen industriell gefertigten Fliesen, das er auf die Formensprache von Automobilen anwendet.
In dieser experimentellen Arbeit werden Modellautos – vom klassischen Volkswagen Käfer bis hin zum zeitgenössischen Tesla Cybertruck – in materiell ambivalente Abstraktionen überführt. Die daraus entstehenden skulpturalen Arbeiten versteht der Künstler als eine Fortführung der langen Tradition, harte Materialien wie Marmor in weich wirkende, stoffartige Formen zu überführen.
Als raumgreifende Installation in Kombination mit weiteren Baumaterialien inszeniert, lässt „Thin Premise“ den Eindruck einer sich im Umbau befindenden Ausstellungssituation entstehen. Zur Vernissage wird es eine Einführung der künstlerischen Leiterin des Hauses, Jantje Almstedt, und ein Künstlergespräch mit Aliki Papadimitriou und Corwyn Lund geben.
Die Ausstellung ist vom Donnerstag, den 14. Mai bis Montag, den 18. Mai von jeweils 14-17 Uhr geöffnet.
