Neumünster. Am Donnerstag, den 9. Juli, um 18 Uhr eröffnet die Ausstellung der Stipendiatinnen des Keramikkünstlerhauses Lina Wiedwald aus Lüneburg und Justina Moncevičiūtė aus Litauen/Berlin! Die beiden haben im Rahmen des internationalen °Ceramic Artist Exchange - Tandem Programms sechs Wochen intensiv an neuen künstlerischen Werken gearbeitet.
Die entstandenen Arbeiten werden in der Ausstellung nun erstmals zu sehen sein. Die Eröffnung beginnt mit einer kurzen Einführung, welche in ein Künstlergespräch übergeht. Danach sind alle herzlich zu Gesprächen und Getränken an unserer Pop-Up Bar im Garten eingeladen.
Lina Wiedwald hat an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle im Fachbereich Keramik studiert und 2026 mit dem Diplom abgeschlossen. Auf ihren keramischen Objekten verbinden sich Oberflächenstrukturen, Zeichnungen und Glasuren zu vielfältigen Bildräumen. Es entsteht ein Geflecht von Bedeutungen, das sich einer eindeutigen Einordnung in herkömmliche Erzähl- und Interpretationsmuster entzieht. Die ornamentalen Strukturen dienen dabei nicht lediglich der dekorativen Gestaltung, sondern übernehmen eine zentrale Rolle im gestalterischen Konzept. Sie ermöglichen ein System der Ordnung. In dieser Hinsicht sind die Ornamente nicht dekorativ, sondern funktional für die Objekte. In der Wiederholung, den verschiedenen Variationen und der Verdichtung entsteht ein verborgenes Regelwerk. Die visuelle Sprache fungiert als Ordnungsgefüge, das Gedanken stabilisiert und als Werkzeug die inneren und äußeren Realitäten miteinander verhandelt. Im Zentrum steht die Figur als Trägerin von Geschichte und Identität. Es wird eine Präsenz erzeugt, in der unterschiedliche Zeiten, kulturelle Schichten und Bildtraditionen ineinander übergehen.
Die bildende Künstlerin Justina Moncevičiūtė (Litauen) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte zunächst Malerei an der Kunstakademie Vilnius und anschließend an der Kunsthochschule Berlin Weißensee im Studiengang Textil- und Flächendesign, mit Fokus auf experimentelle Materialien im räumlichen Kontext.
Die Flüchtigen ist eine Skulpturengruppe, die Justina Moncevičiūtė während ihres Aufenthalts im Keramikkünstlerhaus entwickelt hat. Die Arbeiten sind gewebte Architekturen: Bild-Text-Fragmente, Abstraktionen. Die Körper sind autonom, zugleich ambivalent stehen sie in Beziehung zueinander und dem Raum, im Ungewissen, ob im Werden oder in Auflösung befindlich. Die Skulpturen sind grob, skaliert, disproportional - Ausschnitten eines Gemäldes ähnlich. Aus der Nähe lösen sich diese in Unschärfe auf, in Flecken, Texturen und Farbübergänge. Keramifizierte Kettfäden verflechten sich, Baustein auf Baustein, entstehen piktoralen Strukturen. Aufgebrochene Fassaden, gerissene Fäden, scharfe Kanten: der Ästhetik des Zerfalls und der Desintegration von Bild- und Denkstrukturen folgend, vermitteln die Arbeiten metaphorische Anknüpfungspunkte, und schaffen skulpturale textile Verbindungen.
Die Ausstellung ist von Freitag, den 10. Juli, bis Montag, den 13. Juli, jeweils von 14–17 Uhr geöffnet. Keramikkünstlerhaus Neumünster | Fürsthof 8 | Neumünster
