Wie wird das im Testbereich abgeschliffene Pflaster auf dem Großflecken von den Bürgerinnen und Bürgern bewertet? Dazu hat die Stadt Neumünster eine Online-Umfrage durchgeführt. Insgesamt gingen 543 Datensätze ein. Die Bewertung des Testbereichs fällt insgesamt eindeutig positiv aus. Auf einer Skala von 1 („sehr schlecht“) bis 5 („sehr gut“) entfielen 49 Prozent der abgegebenen Bewertungen auf die Noten 4 oder 5. 31 Prozent bewerteten den Testbereich mit 1 oder 2.

Bei den positiven Rückmeldungen wurden insbesondere das bessere Laufgefühl und eine aus Sicht der Teilnehmenden verbesserte Begeh- und Befahrbarkeit genannt. Davon könnten insbesondere Menschen mit Rollator, Rollstuhl, anderen Mobilitätshilfen oder auch Kinderwagen profitieren. Gleichzeitig wurde in den Rückmeldungen mehrfach darauf hingewiesen, dass die Fugen zwischen den Pflastersteinen weiterhin als Hindernis empfunden werden. Für eben diese Herausforderung werden derzeit weitere Lösungen geprüft. 

Auch bei der Frage nach einer möglichen weiteren Umsetzung des Verfahrens auf dem Großflecken zeigt sich ein differenziertes Bild. 55 Prozent sprachen sich dafür aus, 45 Prozent dagegen. Darüber hinaus wurden 184 Kommentare abgegeben. In den freien Antworten finden sich sowohl deutliche Befürwortungen als auch Kritik am Verfahren, an der Optik sowie an der aus Sicht einiger Teilnehmender noch nicht ausreichenden Barrierefreiheit.

Auch Seniorenbeirat und Beirat für Menschen mit Behinderungen einbezogen Parallel zur Online-Umfrage hat die Stadt Neumünster auch das direkte Gespräch mit dem Seniorenbeirat und dem Beirat für Menschen mit Behinderungen gesucht. Beide Beiräte konnten den Testbereich selbst ausprobieren und ihre Erfahrungen und Einschätzungen einbringen.

„Das Abschleifen ist ein wichtiger erster Schritt. Entscheidend ist jetzt, dass wir gemeinsam eine Lösung finden, die für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator und auch für blinde Menschen wirklich sicher funktioniert“, erklärt Toren Munz, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung.

Die Gespräche und praktischen Tests verliefen insgesamt sehr positiv. Auch hier wurden vielfältige Rückmeldungen gegeben. Als größter Kritikpunkt wurden ebenfalls die Fugen zwischen den Pflastersteinen benannt, die insbesondere für Rollstühle, Rollatoren und andere Hilfsmittel weiterhin eine Herausforderung darstellen können.

Gleichzeitig sehen beide Beiräte durch das Abschleifen grundsätzlich eine Verbesserung der Situation. Sie bewerten positiv, dass die Stadt Neumünster das Thema der Barrierearmut auf dem Großflecken aufgegriffen, mit dem Testbereich einen konkreten Lösungsansatz erprobt hat und begrüßen ausdrücklich, dass ihre Vorschläge aufgenommen wurden und bei einem weiteren Vorgehen berücksichtigt werden sollen.

„Uns war wichtig, nicht nur eine technische Lösung auszuprobieren, sondern auch diejenigen einzubeziehen, die im Alltag besonders auf eine gut nutzbare Innenstadt angewiesen sind“, so Oberbürgermeister Tobias Bergmann. „Die Rückmeldungen setzen uns das Ziel einer merkbaren, zufriedenstellenden, aber nicht optimalen Lösung.“ Als optimale Lösung gilt die Skalpierung der Pflastersteine auf dem Großflecken, welche aber in der aktuellen Haushaltslage zu teuer in der Umsetzung ist. Bei dem Schleifverfahren handelt es sich also um eine vorübergehende Lösung bis zum politischen Entschluss der Ratsversammlung, die Skalpierung in einem Jahr mit besserer Haushaltslage umzusetzen. 

Es soll nun eine Querung von der aktuellen Testfläche bis zum Eingangsbereich der Lütjenstraße hergestellt werden, um eine barrierearme Querung des Großfleckens zu ermöglichen. Abweichend von der bisherigen Testfläche ist nun vorgesehen, dass der Abschliff durch eine alternative Methode erfolgen soll, die insgesamt zu einem besseren Schleifergebnis führt. Zudem soll bei der Ausweitung auf weitere Flächen sichergestellt werden, dass die Fugen verfüllt werden, sodass eine bessere Barrierefreiheit erreicht werden kann. Die Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Die Gesamtkosten für diese werden derzeit auf rund 100.000 Euro geschätzt. Die Finanzierung erfolgt aus den vorhandenen Mitteln der laufenden Straßenunterhaltung.