Hasenkrug. Sie lebt im Verborgenen, ruft unter Wasser und riecht bei Gefahr ein bisschen nach Knoblauch: Die Knoblauchkröte ist eine der heimlichsten Amphibien Schleswig-Holsteins. Tagsüber gräbt sie sich in lockeren Sand ein, nachts geht sie auf Wanderschaft. Jetzt bekommt die seltene Art im Kreis Segeberg neue Chancen.

Mit der Aussetzung von rund 1.500 jungen Knoblauchkröten im Stiftungsland Hasenkrug bringt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ihr dreijähriges Wiederansiedlungsprojekt auf die Zielgerade. Dort soll wieder eine stabile Population entstehen — also ein Bestand, der sich eines Tages selbst trägt. „Unser Ziel ist nicht einfach, Tiere auszusetzen. Unser Ziel ist, dass die Knoblauchkröte sich hier wieder ganz von allein vermehrt und dauerhaft heimisch wird“, sagt Jane Lassen, Projektmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Ein Zuhause, das auf die Kröte gewartet hat

Bereits 2018 hat die Stiftung Naturschutz den rund 54 Hektar großen Hasenkrug gezielt für Arten der offenen Weidelandschaft aufgewertet. Entstanden sind flache Kleingewässer, sandige Uferbereiche und strukturreiche Weidelandschaften — genau das, was die Knoblauchkröte braucht. Nur die Kröte selbst fehlte noch. Deshalb startete die Stiftung 2024 gemeinsam mit AmphiConsult ein dreijähriges Wiederansiedlungsprojekt.

Vom Kröten-Kinderzimmer in die Wildnis

Für das Projekt wurde Laich aus einer stabilen Knoblauchkröten-Population im Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe entnommen und in einer Aufzuchtstation großgezogen. Dort entwickeln sich die Tiere geschützt vom Ei zur Kaulquappe und weiter zur jungen Kröte.

Diese Starthilfe erhöht ihre Überlebenschancen deutlich: In freier Natur übersteht nur ein kleiner Teil der Eier die ersten Wochen. Aus der Aufzucht kommen die jungen Tiere kräftiger in ihr neues Zuhause.

Wie viele Tiere in den einzelnen Jahren ausgesetzt wurden, zeigt der Überblick am Ende der Pressemitteilung. Ein Teil der aufgezogenen Knoblauchkröten kehrt außerdem in die Ursprungsgewässer im Stiftungsland Nordoe zurück und stärkt dort den bestehenden Bestand.

Nicht allein, sondern gemeinsam

Der Hasenkrug ist dabei kein Einzelprojekt. Westlich der A7 gibt es bereits mehrere Vorkommen der Knoblauchkröte. Mit der Wiederansiedlung entsteht ein weiteres wichtiges Bindeglied zwischen ihnen.

Langfristig sollen sich die einzelnen Vorkommen wieder besser vernetzen. So entstehen widerstandsfähigere Bestände, die auch in Zukunft überleben können.

Eine Kröte mit besonderen Talenten

Die Knoblauchkröte gehört zu den ungewöhnlichsten Amphibien des Landes. Sie hat senkrechte Pupillen, eine vergleichsweise glatte Haut und kleine „Schaufeln“ an den Hinterbeinen. Mit ihnen kann sie sich in wenigen Sekunden vollständig im Sand eingraben. Zur Winterruhe verschwindet sie sogar bis zu einem Meter tief im Boden.

Auch ihr Nachwuchs fällt auf: Die Kaulquappen können bis zu zwölf Zentimeter lang werden — und damit zeitweise größer sein als die erwachsenen Tiere.

Artenschutz für eine ganze Landschaft

Die Knoblauchkröte ist in Schleswig-Holstein stark gefährdet. Ihr Lebensraum ist vielerorts verschwunden: Sandige, offene Landschaften wurden intensiver genutzt, Kleingewässer verfüllt oder entwässert, Laichgewässer wuchsen zu.

Von den neuen Lebensräumen im Hasenkrug profitiert deshalb nicht nur die Knoblauchkröte. Auch andere Amphibien, Reptilien wie die Zauneidechse, Insekten sowie viele Tier- und Pflanzenarten der offenen Weidelandschaft finden hier wieder Platz.

„Wenn wir Lebensräume für die Knoblauchkröte schaffen, schaffen wir gleichzeitig Lebensräume für viele weitere Arten. Genau das macht das Projekt so wertvoll für die biologische Vielfalt Schleswig-Holsteins“, sagt Jane Lassen.

Nach der diesjährigen Aussetzung schaut die Stiftung weiter genau hin: In den kommenden Jahren wird kontrolliert, ob sich die Knoblauchkröten im Hasenkrug erfolgreich vermehren und dauerhaft etablieren.