Neumünster (em) Die Gewerkschaft ver.di hat im Oktober 2012 eine bundesweite Umfrage zur Arbeitssituation der Beschäftigten bei Volks- und Raiffeisenbanken durchgeführt. Jetzt liegen erste Ergebnisse aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vor.
„Eine schallende Ohrfeige für die Tarifpolitik des Arbeitgeber-verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (AVR)“, so der zuständige Gewerkschaftssekretär für die Volks- und Raiffeisenbanken bei ver.di Nord, Thomas Grunewald. „Volks- und Raiffeisenbanken haben aus der Bankenkrise nichts gelernt“, so Grunewald weiter. Trotz Anlegerschutzgesetz bestimmt nicht die Erfahrung, sondern der Verkaufserfolg die Vergütung der Berater. Groß ist die Angst der Beschäftigten vor Arbeitsplatzverlust. Beschwerden von enttäuschten Kunden können nach dem neuen Anlegerschutzgesetz zu Bußgeldern und Berufsverbot der Berater führen. 60 Prozent der Befragten fühlen sich von ihren Arbeitgebern nicht ausreichend vor Sanktionen des Bundesaufsichtsamtes BaFin geschützt. Nach Angaben der Gewerkschaft werden die Berater nach wie vor angehalten, provisionsträchtige Bankprodukte anzubieten. Während die Banken den Provisionsertrag erzielen, wird das Risiko von Fehlberatungen auf den Berater abgewälzt. „Das Anlegerschutzgesetz bestraft die Bankangestellten, verschont aber die Banken“, so ver.di-Sekretär Thomas Grunewald.
Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zeigt das Umfrageergebnis, dass die Tarifreglung, die der Arbeitgeberver-band AVR mit dem christlichen Gewerkschaftsbund und dem DBV vereinbart hat, keine Unterstützung von den Beschäftigten findet. ver.di erwartet vom AVR, dass dieser ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch mit der Dienstleistungsgewerkschaft zurückkehrt. ver.di fordert für die Beschäftigten bei Volks- und Raiffeisenbanken die gleichen Vergütungen, wie im übrigen Bankgewerbe mit verlässlichen Festgehältern, die vom Verkaufserfolg unabhängig sind.
Die Umfrageergebnisse im Einzelnen:
94 Prozent der beteiligten Beschäftigten bei Volks- und Raiffeisenbanken sind gegen eine Variabilisierung ihres Gehaltes nach Verkaufserfolg, wie sie der Arbeitgeberverband AVR mit der sog. christlichen Gewerkschaft DHV vereinbart hat.
95 Prozent sind gegen eine Kürzung der Gehälter für alt-gediente Beschäftigte mit vielen Berufsjahren, wie es die Tarifvereinbarung mit dem DHV/DBV vorsieht.
84 Prozent sind für eine Anrechnung der Ausbildungszeiten auf die Berufsjahre bei der Gehaltsberechnung.
Nur 6 Prozent fühlen sich durch ihren Arbeitgeber hinreichend vor Sanktionen durch die BaFin wegen Fehlberatung geschützt.
68 Prozent der Beteiligten beklagen sich über zu hohen Verkaufsdruck und fordern besondere Maßnahmen zum Gesundheitsschutz.
81 Prozent fürchten um ihre Arbeitsplätze in der Zukunft und fordern tarifliche Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung.