Neumünster (rj) Der Protest formiert sich: Wenn der NPD-Landesverband am 1. Mai zum Abschluss seiner Landtagswahlkampagne in Neumünster aufmarschieren will, wollen Politik, Vereine und Verbände ein Zeichen gegen den braunen Spuk setzen.
Seit mittlerweile 15 Jahren haben Neonazis ihren Treffpunkt Club 88 in Gadeland, nun wollen sie sich am Tag der Arbeit als Alternative zu den etablierten Parteien anbiedern und der Öffentlichkeit demonstrieren, dass sie zum Stadtbild gehören. Und genau das wollen viele Neumünsteraner nicht. Parteien, Sport-, Gesangs- und Trachtenvereine, Theatergruppen, Seniorentreffs, Wohltätigkeitsorganisationen und die Kirche haben sich zusammengeschlossen für ein buntes Programm am 1. Mai. Nach der Demonstration der Gewerkschaften um 10 Uhr findet ab 13 Uhr ein Familienfest und Flohmarkt statt.
Hinzu kommen Straßenfeste und „Rock gegen Rechts“ auf einer Bühne auf dem Großflecken. Die evangelisch-lutherische und katholische Kirche feiern gemeinsam ein großes Kirchenfest auf dem Kleinflecken. Mit einem ökumenischen Gottesdienst um 12 Uhr wollen sie gegen rechtsradikale Ideologien verteidigen. „Wir Christen kennen keine Ausländer, sondern nur Brüder und Schwestern“, macht der katholische Dechant Albert Sprock deutlich. „Gott liebt jeden Menschen. Deshalb ist jede Diskriminierung mit unserem Menschen- und Gottesbild unvereinbar“, ergänzt sein protestantischer Amtskollege, Propst Stefan Block. Die beiden Geistlichen leiten den Gottesdienst. Geplant ist, dass Menschen aus allen Gemeinden und Stadtteilen dazu in einem Sternmarsch auf den Kleinflecken kommen. „Wir wollen viele Straßen und Plätze besetzen, um den Rechtsextremen so wenig Raum wie möglich zu überlassen“, erklärt Diakonin Silke Leng vom Kirchenkreises Altholstein.
Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es ein Essen für die Besucher. Das Diakonische Werk Altholstein bereitet einen Nudelsalat mit buntem Gemüse für alle zu und verteilt ihn gegen eine Spende. Viele Stände mit Aktionen auch zum Mitmachen sind geplant. Fast vergessen: Die Parteien holen prominente Unterstützung. Erwartet werden unter anderem SPDFraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Grünen-Bundesvorsitzender Cem Özdemir und CDU-Landtagspräsident Torsten Geerdts.
Foto: „Ja zur bunten Vielfalt“: Dechant Albert Sprock (von links), Pastorin Simone Bremer, Diakonin Silke Leng und Propst Stefan Block.
