Norderstedt. Wie kann Deutschland ein sicheres und gesellschaftlich akzeptiertes Endlager für hochradioaktive Abfälle finden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Informations- und Dialogveranstaltung, zu der der Ortsverband von Bündnis90/Die Grünen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE; www.base.bund.de) eingeladen hatte. Dabei ging es weniger um eine detaillierte Darstellung der geologischen Kriterien – wie Wirtsgesteine, Tiefenlagen oder Sicherheitsanforderungen.
Der Schwerpunkt lag auf der Darstellung des gesetzlich festgelegten Prozesses. Ein weiteres Ziel der Veranstaltung war es, Bürgerinnen und Bürger transparent über den aktuellen Stand der Endlagersuche zu informieren und ihnen Raum zu geben, eigene Fragen und Perspektiven einzubringen. Die Referentin Dr. Maike Weißpflug ist seit mehreren Jahren Expertin für Strategie und Öffentlichkeitsbeteiligung und damit aktiv bei den verschiedenen Formaten der Bürgerbeteiligung. Sie brachte das teils trockene Thema sehr anschaulich an die zahlreichen Besucher*innen.
Transparenz als Grundpfeiler des Suchverfahrens
Zu Beginn stellte die Referentin den dreistufigen Prozess des Standortauswahlverfahrens vor. Dabei betonte sie, dass die Suche nach einem Endlager ein wissenschaftsbasiertes, ergebnisoffenes und vor allem partizipatives Verfahren sei. Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern wie Finnland oder der Schweiz ist dabei selbstverständlich. Vor dem Hintergrund dieser sorgfältigen Arbeitsweise ist es gut möglich, dass ein Ergebnis erst in der 70er Jahren feststeht. Das BASE arbeitet hierbei als unabhängige Regulierungsbehörde und überwacht die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben durch die mit der Suche beauftragte Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Diese hatte Anfang November den aktuellen Stand der Suche veröffentlicht. Interessierte können Genaueres auf der homepage erfahren (www.bge.de). Es ist festzuhalten, dass große Teile Norddeutschlands weiterhin Potentialgebiete sind. Anfang der 30er Jahre ist dann der Start der Phase 2 mit weniger Gebieten geplant. Im weiteren Verlauf sind dann aufwändige geologische Arbeiten bis hin zum Bau eines Modellbergwerks geplant.
Die Referentin machte deutlich, dass anders als seinerzeit in Gorleben das Endlager der sicherste Ort sein wird. Die heutige Situation mit zahlreichen Zwischenlagern und Kraftwerken beinhaltet erheblich höhere Risiken.
Die nächste große Veranstaltung ist am 21./22.11. das 4. Forum Endlagersuche in Hannover. Für die Online-Teilnahme kann man sich noch kostenlos anmelden: https://forum-endlagersuche.de.
Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig Transparenz und Dialog für ein so langfristiges und sensibles Projekt wie die Endlagersuche sind. Die Besucherinnen und Besucher äußerten sich am Ende positiv darüber, dass komplexe Sachverhalte verständlich erklärt und ihre Bedenken ernst genommen wurden.
