Norderstedt. Was bisher oft mühsam im Restmüll entsorgt wurde oder die Abwasserrohre belastete, wird in Norderstedt bald zum wertvollen Rohstoff für saubere Mobilität. Auf Initiative der FDP-Fraktion im Umweltausschuss startet die Stadt ein zukunftsweisendes Pilotprojekt zur Sammlung biogener Rohstoffe (Altspeiseöle und -fette) aus privaten Haushalten.

Von der Pfanne direkt in den Motor „Wir freuen uns sehr, dass die Verwaltung unsere Anfrage vom Januar so konstruktiv aufgegriffen hat“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Reimers. „Während die Industrie Altfette bereits professionell verwertet, blieb das Potenzial in privaten Küchen bisher weitgehend ungenutzt. Das ändern wir jetzt.“

Hintergrund der Initiative ist die Gewinnung von nachhaltigen Kraftstoffen wie HVO100 oder Biodiesel. Letzterer weist eine über 90 % bessere CO2-Bilanz auf als fossiler Diesel. Mit jedem Liter recyceltem Altfett werden im Vergleich zu herkömmlichem Diesel mindestens zwei Kilogramm CO2 eingespart. Ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz, der direkt vor Ort beginnt.

Das Sammelsystem Das neue Pilotprojekt setzt auf ein bewährtes Wechselbehälter-System. Bürgerinnen und Bürger können ihre gebrauchten Öle und Fette aus Pfanne, Fritteuse oder Grillschale sammeln. Die vollen Behälter können dann demnächst an zentralen Anlaufstellen abgegeben werden:

Auf dem Wertstoffhof des Betriebshofes Im Gebrauchtwarenhaus „Hempels“

Dort stehen spezielle Wechselbehälter bereit, die eine saubere und auslaufsichere Logistik garantieren. Der gesammelte Rohstoff wird anschließend zu hochwertigem Biokraftstoff verarbeitet, der entweder herkömmlichem Diesel beigemischt oder als reiner Kraftstoff genutzt werden kann.

Kostengünstiger Klimaschutz für Norderstedt Besonders hervorzuheben ist die Wirtschaftlichkeit des Projekts: Für eine einjährige Pilotphase kalkuliert das Betriebsamt mit Gesamtkosten von lediglich rund 4.500 Euro – inklusive Werbemaßnahmen und Logistik. „Es zeigt sich wieder einmal: Vernünftige und praktische Umweltpolitik muss nicht teuer sein. Durch unsere gezielte Anfrage haben wir eine Lösung angestoßen, die ökologischen Nutzen mit ökonomischer Vernunft verbindet“, so der Fraktionsvorsitzende Tobias Mährlein. Die Kosten werden sich durch die Erlöse aus dem Verkauf des Altfettes (ca. 20 Cent pro Liter) sogar noch weiter reduzieren.