Großenaspe. Zauneidechsen sind scheue Tiere. Sie besiedeln einen Lebensraum nur dann, wenn sie sich sicher fühlen, sie ausreichend Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten finden. Dazu brauchen die wechselwarmen Reptilien noch sandige Stellen, in die sie ihre Eier ablegen können, die von der Sonne ausgebrütet werden.
Auf einem ehemaligen Maisacker bei Großensape im Kreis Segeberg baut die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, eine hunderprozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, jetzt solch einen perfekten Wohlfühlort für die in Schleswig-Holstein stark gefährdeten Tiere (Rote Liste 2). Dafür rücken am 16. Februar die großen Bagger an.
Diese suchen zuerst nach Drainagen im Boden und kappen diese, damit das Gebiet zukünftig nicht weiter trockengelegt wird. Im Anschluss ziehen die Bagger die oberste Erdschicht ab und schaffen so sandige und nährstoffarme Rohbodenstellen.
Aus dem Bodenaushub, Steinen und Wurzelstubben werden dann die Habitate für die Zauneidechsen gebaut, sogenannte Zauneidechsenburgen. In diesen können sich die Tiere vor Fressfeinden schützen und überwintern, gleichzeitig haben sie es nicht weit zu ihren Eiablageplätzen auf dem sandigen Rohboden.
Projektleiterin Mia Wennemuth von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein hat das Zauneidechsen-Paradies bereits vor Augen: „Läuft alles wie geplant, huschen hier schon im nächsten Jahr kleine Zauneidechsen durch ihre neuen Burgen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn weiter im Osten befindet sich eine alte Kiesgrube, in der es bereits Zauneidechsen gibt.“
Auch Insekten, Vögel und Fledermäuse ziehen hier ein
Im Frühjahr wird der ehemalige Acker mit Regio-Saatgut eingesät, um ein artenreiches Grünland zu entwickeln, das wiederum heimische Insekten anlockt.
Im Norden bauen die Bagger noch einen neuen, 35 Meter langen Knickwall. Im kommenden Herbst bepflanzen Wennemuth und ihre Kolleg*innen diesen Knick und platzieren im Gelände noch eine Gehölzinsel mit standorttypischen Laubsträuchern und -bäumen. Solche Strukturen nutzen gehölzbrütende Vögel und Fledermäuse gerne.
Direkt nebenan befindet sich der Aussichtsturm Ketelvierth, von dem aus man die neue Arten-Vielfalt im Stiftungsland Stellbrookmoor schon bald beobachten und bestaunen kann.
Hintergrund: Finanzierung als Ökokonto – Kompensation mit Zukunft
Die Maßnahme ist Teil eines Ökokontos. Ein solches Konto ermöglicht es, Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen – indem an anderer Stelle hochwertige Lebensräume aufgewertet oder neu geschaffen werden. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein plant, realisiert und pflegt die Maßnahmen dauerhaft.
