Weddelbrook. Ungewöhnlicher Besuch in Weddelbrook: Die Hausarztpraxis von Dr. Susanne Hoffmann und Dr. Gabriele Mill begrüßte am 6. Oktober Wallach Sueño und Iljana Schmitz. Mit ihrer ersten Aktion im Kreis Segeberg machten die beiden in Kooperation mit der Sepsis-Stiftung auf den lebensbedrohlichen Notfall Sepsis aufmerksam.
Ein Pferd vor der Hausarztpraxis: Mit Wallach Sueño besuchte die Lägerdorferin Iljana Schmitz am 6. Oktober eine Praxis in Weddelbrook, um Sepsis ins Gespräch zu bringen. Das Praxisteam nahm Informationsmaterial zum Auslegen entgegen, die beiden Ärztinnen unterstützten die Aktion. Schmitz sieht ihr Reitbeteiligungspferd dabei als Türöffner.
„Sepsis ist für Hausarztpraxen ein sehr bedeutsames Thema. Ein Großteil der Sepsisfälle entsteht ambulant. Der medizinische Notfall kann aus nahezu jeder Infektion entstehen, auch aus COVID-19 oder einem Harnwegsinfekt. Auf dieses wichtige Thema mit so einer Aktion aufmerksam zu machen, finde ich wunderbar“, sagte Dr. Susanne Hoffmann. Auch ihre Kollegin Dr. Gabriele Mill steht voll hinter der Aktion.
„Sueño schafft es, das ernste Thema Sepsis auf eine ermutigende und zugängliche Art zu vermitteln. Tiere berühren uns Menschen auf eine besondere Art“, erklärte Schmitz. Mit einer Fahne mit der Aufschrift „Sepsis muss Allgemeinwissen werden“ und verkehrssicherer Ausrüstung reitet sie durch verschiedene Landkreise in Schleswig-Holstein. Schmitz spricht bei ihren Ritten niemanden an. „Die Gespräche entstehen von ganz alleine. Menschen sehen Sueño und mich und fragen uns, was wir machen“, sagte Schmitz.
Für die Praxis brachte Schmitz Lesezeichen mit. Über die beiden QR-Codes gelangt man auf die Hilfeseite der Sepsis-Stiftung und zu einem Kurzvideo, in dem Iljana Schmitz mit Sueño das Thema Sepsis erklärt.
Auch das Thema Sepsis-Prävention ist in der hausärztlichen Versorgung zentral. „Bei Infektionen ist auch der Verlauf entscheidend, um bei neuen Symptomen oder Verschlechterungen rechtzeitig und angemessen reagieren zu können. Wir möchten möglichst verhindern, dass es überhaupt zu einer Sepsis kommt“, betonte Dr. Susanne Hoffmann.
Nach dem Besuch bei der Hausarztpraxis ritten Iljana Schmitz und Sueño weiter durch Weddelbrook. Auch unterwegs entstanden Gespräche über Sepsis.
„An Sepsis sterben in Deutschland mehr Menschen als an Schlaganfall oder Herzinfarkt. Kleinkinder und Babys gehören zu den Risikogruppen. Trotzdem gehört Sepsis immer noch nicht zu unserem Allgemeinwissen. Und das kostet täglich Menschen das Leben“, sagte Schmitz. Mit ihrem Projekt Wissensritter möchte sie dazu beitragen, dass mehr Menschen über Sepsis informiert sind. „Wenn wir die Warnzeichen nie gehört haben, können wir sie auch nicht erkennen. Sepsis wird deshalb heute immer noch häufig zu spät erkannt. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 140.000 Menschen an Sepsis. Von den 360.000 Überlebenden leiden etwa 75 % an teils schweren Langzeitfolgen.“
Schmitz war vor zwei Jahren selbst von einer schweren Infektion im Gesicht betroffen. Zu lange wurden ihre Warnzeichen für einen harmlosen Virusinfekt gehalten. „Ich hatte fest vor, weiter abzuwarten. Aber dann ist mir dieser Satz eingefallen, den jemand einmal ganz beiläufig zu mir gesagt hatte: ‚Wenn du glaubst, du hast Grippe, fühlst dich aber anders krank, als du es bisher erlebt hast, dann kann das etwas Eiliges sein‘“, erinnert sich Schmitz. „Weil es sich genauso angefühlt hatte, habe ich mich dann doch dazu durchgerungen, Hilfe zu holen.“ Sie wurde erfolgreich im UKSH behandelt.
Nach ihrem Erlebnis erfuhr sie selbst zum ersten Mal von Sepsis und begann mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Sepsis-Stiftung und ihren Aktionen mit Sueño.
