Bad Segeberg. Der Vorschlag der Grünen in Schleswig-Holstein, eine monatliche „Nahverkehrsabgabe“ von zehn Euro für alle Bürgerinnen und Bürger einzuführen, sorgt für hitzige Debatten. Besonders für die ältere Generation im ländlichen Raum könnte dieses Modell zur finanziellen und sozialen Sackgasse werden. Kritiker warnen vor einer systematischen Benachteiligung von Seniorinnen und Senioren.
Pauschalabgabe trifft kleine Renten hart
Während die Befürworter die Abgabe als notwendigen Solidaritätsbeitrag für den Klimaschutz und den Netzausbau sehen, weisen Verbände und Opposition auf die soziale Schieflage hin. Für viele Seniorinnen und Senioren, die mit einer knappen Rente kalkulieren müssen, bedeuten 120 Euro Zusatzkosten im Jahr eine spürbare Belastung. Da die Abgabe als Pauschale geplant ist, erfolgt keine Staffelung nach Einkommen, was einkommensschwache Haushalte unverhältnismäßig trifft.
Ländlicher Raum: Zahlen ohne Gegenleistung?
Besonders prekär ist die Situation für ältere Menschen in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins. Hier ist die Anbindung an den ÖPNV oft so lückenhaft, dass der Weg zum Arzt oder zum Einkauf ohne eigenen Pkw kaum zu bewältigen ist.
„Viele Senioren auf dem Land sind auf das Auto angewiesen und finanzieren bereits über ihre Steuern das Deutschlandticket, das sie mangels Angebots vor Ort gar nicht nutzen können“, so die Kritik der Senioren Union. Eine zusätzliche Pflichtabgabe käme einer „Dreifachbestrafung“ gleich:
- Kosten für den Pkw-Unterhalt (notwendig für die Grundversorgung).
- Steuerliche Mitfinanzierung bundesweiter Ticket-Modelle.
- Neue Pflichtabgabe für eine Infrastruktur, die vor der eigenen Haustür oft nicht existiert.
Forderung nach Mobilität ohne Diskriminierung
Es dürfe nicht dazu kommen, dass eine Generation, die ohnehin mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpft, nun den Ausbau städtischer Netze finanziert, von denen sie im Alter kaum profitiert.
Die Politik ist nun gefordert, Modelle zu finden, die den Klimaschutz vorantreiben, ohne dabei die soziale Teilhabe der älteren Generation im ländlichen Raum zu gefährden.
Foto: Ursula Michalak
