Kisdorf. Sie ist „full black", stattliche 136 Quadratmeter groß, und jetzt im Sommer sieht man sie nur vom Friedhof aus: Die neue Solaranlage auf dem Dach der Friedenskirche in Kisdorf (Kreis Segeberg). Sie soll in den kommenden Wochen vollständig in Betrieb gehen und sowohl Strom für die Ev.-Luth. Kirchengemeinde als auch darüber hinaus produzieren.

„Wir wollen ein Zeichen setzen für den Klimaschutz, unseren Beitrag für erneuerbare Energien und zur Bewahrung der Schöpfung leisten", sagt Pastorin Christiane Ellger. Deshalb hat sie mit ihrem Kirchengemeinderat beschlossen, die komplette Dachfläche der Kirche, die nach Süden zeigt, mit Photovoltaik auszurüsten. Im Sommer verdeckt das Laub den Blick von der Straße aus. Damit optisch alles ordentlich aussieht, gab es darüber hinaus die Vorgabe, dass die Paneele völlig schwarz sein müssen und dass es keine silbernen Rahmen zwischen den einzelnen Modulen geben darf.

„Mit dieser Anlage produzieren wir bis zu 29,2 Kilowatt Peak Himmelsstrom", erklärt Christian Beck. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates und hat - so sagt er - die Energiewende zu seinem Hobby gemacht. Damit die Sonnenenergie auch wenn es dunkel ist genutzt werden kann, hat die Kirchengemeinde zusätzlich in einen großzügigen Speicher investiert.

Dennoch bleibt voraussichtlich mehr Strom übrig, als die Kirchengemeinde selbst verbrauchen kann. „Jede Kilowattstunde vom Himmel ist ein Geschenk", findet Beck. Sobald der Netzbetreiber die technischen Voraussetzungen geschaffen hat, soll der Überschuss eingespeist werden. Rund 50.000 Euro hat die Kirchengemeinde in die Anlage investiert, gefördert vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein mit 15.000 Euro. „Reich werden wir durch das Einspeisen trotzdem nicht. Aber es trägt dazu bei, dass sich die Investition über viele Jahre amortisiert."

Schon jetzt ist die Kirchengemeinde Kisdorf bei der Energiewende ganz weit vorne. In diesem Winter ist zum ersten Mal die sogenannte „körpernahe Erwärmung" in der Kirche zum Einsatz gekommen. Das sind durchgehende Sitzkissen, die in jeder Bankreihe installiert wurden. Sie lassen sich abschnittweise regeln und auch die Temperatur der Heizkissen ist nicht fix. „Wir haben Rückmeldungen von ‚es könnte noch etwas wärmer sein' bis hin zu ‚ich werde hier gegrillt'", lacht Ellger.

Dank der Heizkissen ist die Gasrechnung deutlich gesunken. Denn die noch vorhandene Heizung muss nur noch anspringen, um die Kirche dauerhaft auf 8 Grad zu halten. Diese Temperatur ist notwendig, damit unter anderem die Orgel keinen Schaden nimmt. Pastorin Ellger weist darauf hin: „Wir haben auch Datenlogger, die permanent die Temperatur und die Feuchtigkeit aufzeichnen."

Ihr Pastorat wurde bereits 2024 neu gedämmt und hat ebenfalls Solarplatten auf dem Dach. Im Moment läuft die Ausschreibung für eine Wärmepumpe.

Doch die vorbildliche Kirchengemeinde ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Christian Beck erzählt: „Wir denken schon darüber nach, ob wir nicht die erste öffentliche Ladesäule für E-Autos in Kisdorf bauen wollen."

Die Kirchengemeinde Kisdorf gehört zum Ev.-Luth. Kirchenkreis Altholstein und zählt rund 1800 Mitglieder. Sie leben nicht nur in Kisdorf und Kisdorferwohld, sondern auch in den Dörfern Winsen, Kattendorf und Hüttblek. Die Friedenskirche stammt aus dem Jahr 1965, Teile des Gemeindehauses wurden 1992 angebaut.