Neumünster. „Im Juli steigt die Zahl der arbeitslosen Menschen meist saisonbedingt in Mittelholstein gegenüber dem Vormonat an. So ist es auch in diesem Jahr. Saisontypisch ist zudem, dass sich regelmäßig im Hochsommer junge Menschen nach Beendigung ihrer Ausbildung arbeitslos melden, wenn sie durch ihren Betrieb nicht übernommen werden. So steigt die Zahl der Unter-25-Jährigen im Juli überproportional um 151 oder 11,8 Prozent gegenüber dem Vormonat an. Da in dieser ausgebildeten Personengruppe aber viel Potential steckt, wird in vielen Fällen der Status der Arbeitslosigkeit vermutlich nur von kurzer Dauer sein. 

In der Gesamtbetrachtung des regionalen Arbeitsmarktes fällt der Anstieg mit einem Plus von 237 Frauen und Männern dennoch moderat aus. In den letzten beiden Jahren hatten wir beim Übergang in den Hochsommer deutlich mehr arbeitslose Menschen zu verzeichnen,“ wirft Thorben Sauck, Leiter der Agentur für Arbeit Neumünster, einen ersten Blick auf die neuesten Daten vom Arbeitsmarkt. „Der Trend erhöhter Zahlen gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat setzt sich auch im Juli fort. Dennoch ist der Abstand zwischen dem aktuellen Wert von 10.823 arbeitslosen Menschen zum jeweiligen Monat des Vorjahres jetzt im Juli 2025 mit einem Plus von 177 der geringste seit Jahresbeginn. Das unterstreicht, dass wir es – trotz aller konjunktureller und geopolitischer Herausforderungen – unverändert mit einem grundsoliden Arbeitsmarkt zu tun haben. Dazu passt, dass auch die Zahl der Stellenmeldungen ein gutes Niveau für einen Hochsommermonat erreicht hat. Darauf können wir aufbauen und den bei uns arbeitslos gemeldeten Menschen zusätzliche Angebote machen,“ blickt der Agentur-Chef erfreut auf die gute Basis an gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen.

   „Rund 58 Prozent der bei uns arbeitslos gemeldeten Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen keinen qualifizierten Berufsabschluss. Deshalb ist es mir wichtig zu betonen, dass eine Ausbildung immer noch der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist. Aber auch Qualifizierungen für arbeitslose Menschen und Berufstätige helfen weiter und bieten Perspektiven für eine berufliche Zukunft. Rund 3.000 Menschen in Mittelholstein befinden sich aktuell in einem Aus- oder Weiterbildungsangebot der Agentur für Arbeit und der Jobcenter.“ 

Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote 

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Neumünster sind im Juli 10.823 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Das sind 237 mehr als im Vormonat Juni (+2,2 Prozent) und 177 mehr als ein Jahr zuvor (plus 1,7 Prozent).   Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 5,6 Prozent. Im Juni lag sie noch bei 5,5 Prozent genauso wie auch vor einem Jahr..  Auf dem Arbeitsmarkt gab es zudem auch im Juli eine Menge Bewegung. So meldeten sich im Juli 826 Personen aus einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos, 141 mehr als im Juni und 44 mehr als vor einem Jahr. Ihnen gegenüber stehen 656 Personen, die ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden konnten, 7 weniger als im Juni und 5 weniger als vor einem Jahr. 

Arbeitsagentur und Jobcenter 

Die Zahl der bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldeten Menschen (Arbeitslosengeld) beträgt im Juli 4.120 Personen – 238 mehr als im Juni (plus 6,1 Prozent) und 259 mehr als vor einem Jahr (plus 6,7 Prozent). Bei den Jobcentern (Grundsicherung) sind im Juli 6.703 Menschen arbeitslos gemeldet. Das ist eine Person weniger als im Juni und sind 82 weniger als vor einem Jahr (minus 1,2 Prozent).   

Stellenangebot 

Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service (gAG-S) der Agentur für Arbeit und der Jobcenter wurden im Juli 587 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet eine mehr als im Juni (plus 0,2 Prozent) und 47 mehr als vor einem Jahr (plus 8,7 Prozent). Die meisten Stellenangebote kamen im Juli aus dem Bereich der Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, der Zeitarbeit, dem Handel und der öffentlichen Verwaltung. 

Ausbildungsmarkt 

Seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2025 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice Mittelholstein 2.032 betriebliche Berufsausbildungsstellen für das Jahr 2026 gemeldet. Das sind 61 oder 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Rund 1.200 dieser gemeldeten Stellen konnten bereits besetzt werden. Das sind rund 61 Prozent – im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 57 Prozent - aller gemeldeten Stellen. 

Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen für Berufsausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil geblieben. Bis zum aktuellen Stichtag meldeten sich 1.651 Bewerber und Bewerberinnen, 4 oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 1.021 von ihnen gelten derzeit bereits als versorgt. Das heißt, sie haben beispielsweise einen Ausbildungsplatz gefunden, gehen weiter zur Schule oder überbrücken mit einem Freiwilligen Jahr. Das sind 62 Prozent aller bei der Berufsberatung in Mittelholstein gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. Im Vorjahr waren es knapp 60 Prozent.  

Für die Jugendlichen, die noch auf der Suche sind, gibt es aber immer noch Chancen, wie Thorben Sauck im Folgenden betont: „Auch im Hochsommer ist noch Vieles möglich. So ergibt sich aus der Zahl der noch offenen Berufsausbildungsstellen im Verhältnis zu den bei uns registrierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die noch auf der Suche sind, ein rein rechnerischer Wert von 1,24 freien Stellen pro Bewerbenden. Dennoch ist es trotz dieser hoffnungsvollen Zahl immer wichtig, auch nach rechts und links auf dem Ausbildungsmarkt zu schauen und Alternativen im Blick zu haben. Wenn es mit dem ‚Traumberuf‘ vielleicht nicht mehr klappt, gibt es oft im gleichen Berufsfeld Angebote, die genauso attraktiv sind. Dann hilft der professionelle Blick von außen durch unsere Berufsberatung. Sie ist auch in den Ferien für Euch da und hilft Euch bei der Vielzahl von Angeboten, das Richtige zu finden“, rät der Agentur-Chef, baldmöglichst den Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen.   Termine für die Berufsberatung gibt es telefonisch unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 00. Auf Wunsch kann auch ein Termin für eine Videoberatung vereinbart werden. Auf https://www.arbeitsagentur.de/videotermin  steht, wie es geht. 

Außerdem besteht schon bald die Möglichkeit, am „Aktionstag Ausbildung“ der Jugendberufsagentur Neumünster direkt in Kontakt mit Firmen aus der Region zu treten. „Wer vielleicht noch ‚last Minute‘ für dieses Jahr sucht, sollte sich genauso den 27. August im Kalender vormerken, wie die Jugendlichen, die im nächsten Jahr die Schule verlassen werden. Mehr als 30 Betriebe werden dann ab 10:00 Uhr vor Ort in der Brachenfelder Straße 45 sein. Ob Praktikum oder Ausbildung, der Besuch lohnt sich auf jeden Fall“, weist der Agentur-Chef schon einmal auf den „Aktionstag Ausbildung“ Ende August hin. 

Vor dem Hintergrund des künftigen Fachkräftebedarfs ist es umso wichtiger, dass am Ende möglichst viele der angebotenen Stellen besetzt werden. Deshalb rät Thorben Sauck auch Arbeitgebenden in der Region Mittelholstein formal schwächeren Jugendlichen, eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu eröffnen: „Noten sagen Vieles, aber nicht alles aus. Oft schlummern in den Jugendlichen Talente und praktische Fähigkeiten, die sich im Zeugnis nicht ausdrücken. Probieren Sie es aus und geben Sie vermeintlich schwächeren Jugendlichen eine Chance, die dann auf den zweiten Blick zur ersten Wahl werden. Wir unterstützen bei Schwierigkeiten in der Berufsschule mit unserem Programm ‚assistierte Ausbildung‘, eine Art Nachhilfeunterricht, immer mit dem Ziel, dass Ihre Nachwuchskraft am Ende die Ausbildung erfolgreich abschließt. Aber auch eine Einstiegsqualifizierung – ein durch die Agentur für Arbeit Neumünster – gefördertes Langzeitpraktikum von bis zu 10 Monaten kann eine Alternative sein, um dann im Folgejahr ein Ausbildungsverhältnis anzubahnen. Informieren Sie sich gern dazu bei unserem gemeinsamen Arbeitgeber-Service Mittelholstein.“ 

Der regionale Arbeitsmarkt 

In der Stadt Neumünster

•    sind im Juli 3.823 Menschen arbeitslos gemeldet – 87 Personen mehr als im Juni (+ 2,3 Prozent) und 100 mehr als vor einem Jahr (plus 2,7 Prozent), •    beträgt die Arbeitslosenquote im Juli 8,6 Prozent. Im Juni lag sie bei 8,4 Prozent und vor einem Jahr bei 8,3 Prozent. •    wurden dem gAG-S im Juli 192 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet –51 mehr als im Juni (plus 38,2 Prozent) und 11 mehr als vor einem Jahr (plus 6,1 Prozent).