Neumünster. Forschungsergebnisse bestätigen, dass Personen mit herausforderndem Verhalten es schwerer haben, einen Pflegplatz zu bekommen und ihnen leichter die Kündigung droht  Für die vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein in Auftrag gegebene Studie „Pflegeplätze für Personen mit Demenz (PmD) und herausforderndem Verhalten in Schleswig-Holstein: Eine Befragung von An- und Zugehörigen sowie stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen“ liegt nun der Forschungsbericht von Prof. Dr. Anke Erdmann, HAW Kiel, Fachbereich Gesundheit, vor. Er ist unter https://www.demenz-sh.de/bildungsangebote/tagungen/ als PDF verfügbar.  Darin wird belegt, dass insbesondere Personen mit einer Weg- bzw. Hinlauftendenz, es schwerer haben, einen Pflegeplatz zu finden oder zu halten. Mit zunehmender Häufigkeit eines solchen Verhaltens bei einer Person verlängern sich sowohl die Dauer der Pflegeplatzsuche als auch die Zahl der Ablehnungen signifikant.   106 An- und Zugehörige sowie 58 Pflegeeinrichtungen nahmen an der quantitativen Befragung teil. Die Zusage für einen Pflegeplatz brauchte im Erhebungszeitraum im Mittel acht Wochen. Das ist, verglichen mit früheren Erhebungen, ein Anstieg um zwei Wochen. Durchschnittlich weitere drei Wochen mussten die Pflegeplatzanwärter dann warten, bis sie diesen tatsächlich nutzen konnten. Die häufigsten Gründe für eine Ablehnung sind fehlende Pflege- und Betreuungsplätze, sowohl im ungeschützten als auch im geschützten Bereich, aber auch die mangelnde Fähigkeit, einen adäquaten Umgang mit den Verhaltensweisen der demenzkranken Person zu gewährleisten. Auch bei den Kündigungen ist das Verhalten der Person mit Demenz der häufigste Grund. 

Die Ergebnisse machen darauf aufmerksam, dass es nicht nur an ungeschützten Pflegeplätzen mangelt, sondern dass für Personen mit einem zwar unruhigen, aktiven, aber nicht aggressiven Verhalten wie einer Weg-/Hinlauftendenz, mehr Pflegeangebote geschaffen werden müssen. Ebenso müssen die Kompetenzen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten weiter ausgebaut werden. Dazu sollten weiterhin entsprechende Fortbildungsangebote vorgehalten werden sowie regelmäßige Fallbesprechungen für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen stattfinden. 

Das Kompetenzzentrum Demenz kündigt passend dazu für den 12.11.2026 seinen Fachtag „Kein Platz für Unruhe!?" - Wenn Demenz nicht ins System passt... Herausforderndes Verhalten verstehen, begleiten und handeln“ an. 

Dort stellt Prof. Dr. Anke Erdmann die aktuelle Studie vor. In weiteren Vorträgen und Workshops geht es um die Bedeutung Beziehungsarbeit und weitere praktische Lösungsansätze.  

Der Fachtag lädt dazu ein, die Erkenntnisse zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.  Er richtet sich an Pflegefachkräfte in ambulanter, stationärer und teilstationärer Versorgung, im Krankenhaus, Betreuungskräfte, Mitarbeitende in Medizin und Therapie sowie An- und Zugehörige und an alle, die sich für ein demenzfreundliches Miteinander einsetzen. Hinweise zur Anmeldung und weitere Informationen gibt es demnächst unter https://www.demenz-sh.de/bildungsangebote/tagungen/.  

Die nächste dazu passende Fortbildung aus dem Jahresprogramm 2026 des Kompetenzzentrums findet bereits am 18.08.26 in Neumünster statt:  Nr. 14 „Verstehen, begleiten, kommunizieren – Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz“. Unter der Leitung von Adelina Berisha, B.Sc. Pflegewissenschaftlerin, exam. Pflegefachfrau lernen die Teilnehmenden, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu achten und angemessen zu reagieren. Informationen und Anmeldung: https://www.demenz- sh.de/verstehen-begleiten-kommunizieren-umgang-mit-herausforderndem-verhalten-bei-menschen-mit-demenz/  Nachgefragt: