Norderstedt (em) Unter 98 deutschen Städten zwischen 50.000 und 100.00 Einwohnern auf dem 4. Platz zu landen, ist beachtlich, kann aber nur Ansporn für Norderstedt sein, das Fahrradklima weiter zu verbessern.

Womit kann Norderstedt gegenüber vergleichbaren Städten punkten? Positiv bewertet werden das Angebot an Leihfahrrädern, der konsequente Winterdienst und die Fahrradmitnahme in der AKN und U-Bahn. Auch die Wegweisung für Radfahrer und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums werden als gut empfunden. Als verbesserungsbedürftig wurden folgende Themen markiert: Konflikte mit Kraftfahrzeugen, besonders im Mischverkehr und beim Falschparken, Führung des Radverkehrs an Baustellen.

Um ein fahrradfreundliches Klima in einer Stadt zu schaffen, reicht es offenbar nicht, gute Radwege zu bauen, die Verkehrsteilnehmer sollten auch rücksichtsvoll und zuvorkommend miteinander umgehen. Dabei muss der schwächere Verkehrsteilnehmer immer von dem stärkeren respektiert werden.

Worum dreht es sich bei dem Fahrradklima-Test aber genau? Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) macht im Zweijahresrhythmus eine Umfrage zu den Radfahrbedingungen in deutschen Städten. Jede Radlerin und jeder Radler kann sich über Internet oder per Post an dem Test beteiligen. Dabei soll angegeben werden, in welchem Zustand die Radverkehrsanlagen sind, wie man als Radfahrender von anderen Verkehrsteilnehmern akzeptiert wird und was die Stadt zur Förderung des Radverkehrs alles unternimmt.

Mit Note 3,2 führt es nun die schleswig-Holsteinischen Städte, die sich an der Aktion beteiligt hatten, an. Auf der Klimatest-Karte www.fahrradklima-test.de/karte erhält Norderstedt die Farbe Gelb für „voll befriedigend“. Die Farbe Grün für „gut“ sucht man in Schleswig-Holstein vergeblich, die findet man fast nur im Grenzgebiet zu Holland.

Was müsste Norderstedt tun, um Note 2 zu erreichen? Der gute Wille ist da: Zusätzlich zur städtischen AG Rad wurde ein Fahrradforum gegründet. Darin sitzen nicht nur Verwaltungsleute, Polizei, ADFC und VCD, sondern die Kommunalpolitik wird hier einbezogen. Auf der nächsten Sitzung am Donnerstag, 14. September dürfen sich auch die Bürgerinnen und Bürger einschalten und Vorschläge machen.

Dem guten Willen müssten natürlich Taten folgen. Der Radverkehr auf der Ulzburger Straße wäre so zu regeln, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt die Strecke benutzen dürften. Die Verlängerung des bahnbegleitenden Geh- und Radweges nach Meeschensee wäre zu realisieren. Die Segeberger Chaussee wäre attraktiv für den Radverkehr zu gestalten. Schließlich sollte auch eine der wichtigen Radverbindungen als Fahrradstraße gewidmet werden.

Den Ausbau einer Radschnellverbindung nach Hamburg wird es in den nächsten zwei Jahren bis zum nächsten Fahrradklima-Test nicht geben, aber die Planungen müssen vorangetrieben und die Radfahrenden müssen einbezogen werden.

„Wenn das alles so läuft wie gedacht, sollte dem Aufstieg Norderstedts in den grünen Bereich nichts mehr im Wege stehen“, sagt Joachim Brunkhorst, Radverkehrsbeauftragter des Kreises Segeberg.