Kreis Segeberg. Das Wittmoor soll auf dem Gebiet der Stadt Norderstedt um etwa 31 Hektar größer werden – und damit auch der Schutz eines für die Region wichtigen Naturraums. Die geplante Erweiterung stärkt den Schutz des Wasserhaushalts, sichert wertvolle Moor- und Feuchtlebensräume und schließt eine wichtige Lücke im Biotopverbund zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg. Das Verfahren ist inzwischen weit fortgeschritten. Am Freitagnachmittag, 2. Oktober, informierte sich Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt bei einem Vor-Ort-Termin über das Wittmoor und die ge-planten Erweiterungsflächen. Fachleute des Landesamtes für Umwelt und der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Segeberg erläuterten die besonderen ökologischen Funktionen des Gebiets sowie die Herausforderungen bei seiner langfristigen Entwicklung.
„Mit der geplanten Erweiterung können wir den Schutz des Wittmoors als wertvollen Naturraum weiter stärken. Entscheidend ist dabei, das Gebiet als zusammenhän-genden Lebensraum zu betrachten und die Entwicklung auf schleswig-holsteinischer und Hamburger Seite gemeinsam in den Blick zu nehmen“, sagte Ralf Borchers, Leiter der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Segeberg.
Umweltminister Tobias Goldschmidt: "Das länderübergreifende Wittmoor mit seinen Wiesen, Weiden und Mooren ist ein Stück Natur von ganz besonderem Wert für Hamburg und Schleswig-Holstein. Wir stellen es jetzt unter besonderen Schutz, weil wir damit wichtige Lebensräume für gefährdete Arten wie Kreuzotter, Wachtelkönig oder Sumpfdotterblume erhalten, den Wasserrückhalt in der Landschaft stärken und aktiv das Klima schützen.“
Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Hamburg und Schleswig-Holstein verbindet so viel – und die Natur macht erst recht nicht an Landesgrenzen halt. Das gilt ganz besonders für das Wittmoor an unserer nördlichen Stadtgrenze. Intakte Moore sind wirksamer Klimaschutz direkt vor unserer Haustür. Sie speichern dauerhaft CO2, halten Wasser in der Landschaft und geben seltenen Arten ihren Lebensraum zurück. Zusammen mit Schleswig-Holstein werten wir dieses wertvolle Moor jetzt grenzüberschreitend auf und machen es fit und resilient für die Zukunft.“
Das Wittmoor umfasst einschließlich der potenziellen Erweiterungsflächen rund 137 Hektar. Es erstreckt sich über die Stadt Norderstedt im Kreis Segeberg und die Ge-meinde Tangstedt im Kreis Stormarn und grenzt an das Hamburger Stadtgebiet. Auf Hamburger Seite stehen weitere rund 213 Hektar als Naturschutzgebiet unter Schutz.
Das Wittmoor ist der verbliebene Rest eines ehemals großflächigen Hochmoorkomplexes. Heute bietet es unter anderem mit Hoch- und Übergangsmooren, Feuchtwie-sen, Heiden und Bruchwäldern wertvolle Lebensräume. Gemeinsam mit dem Glas-moor, dem Ohmoor und dem Nienwohlder Moor bildet es einen wichtigen Baustein des regionalen Biotopverbunds.
Eine zentrale Rolle spielt der Wasserhaushalt. Das Wittmoor wird ausschließlich durch Niederschläge gespeist. Ausreichend hohe Wasserstände sind entscheidend für den Erhalt des Torfkörpers und die Entwicklung moortypischer Lebensräume. Darüber hinaus wird durch Wassersättigung die Mineralisation, also die Zersetzung des Torfes, gestoppt, wodurch erhebliche Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid weiterhin gebunden bleiben. Moorschutz ist also auch immer Klimaschutz. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bereits Maßnahmen zur Wiedervernässung und Verbesserung der Wasserrückhaltung umgesetzt. Die geplante Erweiterung schafft zusätzliche Möglichkeiten, den Wasserhaushalt des ökologisch zusammenhängenden Gebiets langfristig zu sichern.
Gleichzeitig werden Teile der Erweiterungsflächen als Grünland bewirtschaftet. Die weitere Entwicklung des Gebiets soll deshalb gemeinsam mit Eigentümer*innen und Bewirtschaftenden gestaltet werden. „Naturschutz und Landwirtschaft müssen hier zusammengedacht werden. Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die den Schutz der wertvollen Moor- und Wiesenlandschaft sichern und gleichzeitig die Be-wirtschaftung der Flächen berücksichtigen“, so Borchers.
Der Vor-Ort-Termin mit dem Umweltminister unterstrich auch die Bedeutung der Zusammenarbeit über Verwaltungsgrenzen hinweg. Für den langfristigen Schutz des Wittmoors sind der Kreis Segeberg, der Kreis Stormarn, die Stadt Norderstedt, die Gemeinde Tangstedt, das Land Schleswig-Holstein und die Freie und Hansestadt Hamburg wichtige Partner.
Foto: Von links nach rechts: Tobias Goldschmidt (Schleswig-Holsteins Umweltminister), Katharina Fegebank (Hamburgs Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft) und Ralf Borchers (Leitung der unteren Naturschutzbehörde Kreis Segeberg).
