Kaltenkirchen. Für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerk (THW) Ortsverband Kaltenkirchen gibt es an diesem Samstagabend keinen Hinweis darauf, was sie erwartet. Keine Vorankündigung, kein bekanntes Übungsszenario. Bis 17:36 Uhr, als sie plötzlich alle alarmiert wurden.
Nach der Alarmierung eilten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zur THW-Unterkunft. Der Zugtrupp, die Bergungsgruppe, die Fachgruppe Notversorgung und Notinstandsetzung sowie die Fachgruppe Räumen machten sich auf den Weg zum Schadensort.
Am alten Kalksteinwerk an der Barmstedter Straße erwartete die rund 30 Einsatzkräfte eine Schadenslage, bei der das gesamte Leistungsspektrum des Ortsverbandes gefordert war.
Ein Auto ist in ein Lagerhaus gerast und geht in Flammen auf. Während sich mehrere Mitfahrende noch aus dem Fahrzeug retten können, bleibt der Fahrer eingeklemmt zurück. Gleichzeitig drohen das Tor des Lagerhauses und eine Mauer einzustürzen. Das Feuer greift auf gelagerte Materialien über, Explosionen erschüttern das Gebäude, dichter Rauch zieht auf. Auf der Flucht vom Unfallort stürzen mehrere Personen in Gruben und Gräben und können sich aufgrund ihrer Verletzungen nicht mehr selbst befreien.
Die Einsatzstelle wurde großflächig ausgeleuchtet und gleichzeitig Zugänge zum Lagerhaus geschaffen. Dafür waren Mauerdurchbrüche erforderlich. Einsturzgefährdete Gebäudeteile mussten gesichert sowie abgestützt, kleinere Brände bekämpft und der eingeklemmte Fahrer aus dem Fahrzeug befreit werden. Es wurde nach weiteren Verletzten gesucht, die in den dunklen Gruben und Gräben gefunden und sicher aus ihrer misslichen Lage geborgen wurden.
Was sich nach einem dramatischen Großschadensereignis anhört, war am vergangenen Samstag das Szenario einer groß angelegten Alarmübung des THW Kaltenkirchen auf dem Gelände des alten Kalksteinwerks.
„Wir wollten bewusst sehen, wie unsere Einheiten reagieren, wenn sie nicht vorher wissen, was sie erwartet, sagt Tim Meyer, stellvertretender Ortsbeauftragter THW Kaltenkirchen. „Das heutige Übungsszenario war deshalb so gestaltet, dass die Fähigkeiten aller unserer Fachgruppen benötigt und beübt werden konnten.“
Für die Vorbereitung hatte die Fachgruppe Sprengen des THW Kaltenkirchen das Gelände des alten Kalksteinwerks mit unterschiedlichen Materialien und technischen Mitteln präpariert. Das Ziel: keine Übung „nach Drehbuch“, sondern eine möglichst realistische Einsatzsituation, in der die Einsatzkräfte eigenständig Lagebilder erfassen, Entscheidungen treffen und ihre Maßnahmen koordinieren mussten.
„Regelmäßige Übungen sind wichtig, damit wir bestmöglich auf reale Einsätze vorbereitet sind und die Abläufe dann reibungslos klappen. Die heutige Alarmübung hat gezeigt, dass alle unsere Einheiten sehr gut aufgestellt sind“, sagt Andreas Barkowsky, Zugführer des THW Kaltenkirchen.
Die Einsatzkräfte arbeiteten die verschiedenen Einsatzaufträge Schritt für Schritt ab. Gegen 23:00 Uhr konnte die Übungsleitung schließlich das Ende der Alarmübung verkünden. Nach dem Rückbau der eingesetzten Technik machten sich die Einsatzkräfte auf den Rückweg zum Ortsverband.
Für Mirco Grönwoldt, Ortsbeauftragter des THW Kaltenkirchen, war die Übung ein deutlicher Beleg für die Leistungsfähigkeit des Ortsverbandes:
„Das war eine großartige Übung, bei der deutlich wurde, dass der THW-Ortsverband Kaltenkirchen sehr gut aufgestellt ist. Ich danke allen ehrenamtlichen Einsatzkräften, die heute Abend ihre Freizeit geopfert haben, um die Alarmübung zu einem Erfolg zu machen. Gleichzeitig gilt unser Dank der Firma Hagedorn, die uns das Gelände zur Verfügung gestellt hat und natürlich der umliegenden Bevölkerung für ihr Verständnis, dass es in dieser Nacht durch die Übung etwas lauter wurde.“
Die Alarmübung machte deutlich: Wenn aus einem einzelnen Unfall innerhalb kürzester Zeit eine komplexe Schadenslage entsteht, müssen Technik, Führung, Kommunikation und das Zusammenspiel verschiedener Fachgruppen funktionieren. Genau diese Fähigkeiten trainiert das THW Kaltenkirchen regelmäßig – damit im echten Einsatz jeder Handgriff sitzt.
Foto: THW Kaltenkirchen
