Neumünster. Handwerkliche Präzision, Durchhaltevermögen und eine außergewöhnliche Geschichte prägen den Weg des 37-jährigen Auszubildenden Dmytro Shanikuevych im Maurer-Handwerk bei der Volker Thullesen GmbH. Vor vier Jahren kam Dmytro Shanikuevych aus der Ukraine nach Deutschland – mit einem Kind an der Hand und dem festen Willen, sich und seiner Familie eine sichere Zukunft aufzubauen. Heute steht der 37-Jährige kurz vor seiner Gesellenprüfung im Maurer-Handwerk – und hat mit einer gemauerten Uhr in Anlehnung an „Big Ben“ ein eindrucksvolles Zeichen seines Könnens gesetzt.
Nach seiner Flucht aus der Ukraine begann für ihn ein neues Kapitel. Zunächst arbeitete er in der Landwirtschaft. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt und nutzte jede Gelegenheit, die deutsche Sprache zu lernen. „Die Sprache war der Schlüssel“, sagt sein Ausbilder Lars Thullesen.
Mit großem Engagement und viel Eigeninitiative bewarb sich der Ukrainer schließlich um einen Ausbildungsplatz im Maurer-Handwerk. Seit eineinhalb Jahren ist er nun Auszubildender bei der Volker Thullesen GmbH – und hat sich dort schnell einen Namen gemacht.
Überdurchschnittliche Leistungen in der Ausbildung Trotz seines vergleichsweise späten Einstiegs ins Berufsleben in Deutschland überzeugte der 37-Jährige von Beginn an mit Disziplin, technischem Verständnis und handwerklichem Geschick. „Er arbeitet sehr genau, denkt mit und bringt eine enorme Motivation mit“, betont Thullesen.
Diese Motivation zeigte sich besonders in der Vorbereitung auf die Gesellenprüfung. Bei einem früheren Bauvorhaben, das dem Denkmalschutz unterlag, waren spezielle Formsteine übrig geblieben. Eine Idee nahm Gestalt an: Warum nicht aus diesen Steinen ein besonderes Gesellenstück schaffen?
Gemeinsam mit Maurermeister Torge Steenblock (Bildungsstätte Bau) entstand die Idee, eine gemauerte Uhr zu errichten. Mit großer Präzision setzte der Auszubildende die Formsteine zusammen, arbeitete Rundungen und Details sauber heraus und bewies dabei nicht nur technisches Können, sondern auch gestalterisches Feingefühl. Das Ergebnis ist eine markante, detailreiche Ziegelsteinuhr, die handwerkliche Tradition mit persönlicher Geschichte verbindet und wurde vom Prüfungsausschuss mit 100% bewertet.
„Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Talent, Fleiß und gute Anleitung zusammenkommen“, sagt Steenblock. „Er hat hier wirklich Außergewöhnliches geleistet.“
Nach bestandener Gesellenprüfung wird der 37-Jährige dem Betrieb erhalten bleiben. Für die Volker Thullesen GmbH ist das ein Gewinn – fachlich wie menschlich. „Solche Mitarbeiter wünscht man sich“, so Thullesen. „Er ist ein Vorbild dafür, wie Integration durch Handwerk gelingen kann.“
Für den angehenden Gesellen bedeutet das vor allem eines: Sicherheit und Anerkennung in einem Beruf, den er mit Leidenschaft ausübt. Vier Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland ist aus dem Neuanfang eine Erfolgsgeschichte geworden – Stein für Stein aufgebaut.
