Norderstedt „Endspiel“ für das Blueswerk: Der Verein Blueswerk Norderstedt e.V. kündigt für den Sommer 2027 das Ende seines regulären Konzertbetriebs an. Bis dahin finden die bereits angekündigten Konzerte noch statt. Besonders bitter: Im Gesamthaushalt der Stadt wird sich durch die Entscheidung, die städtischen Räume nicht mehr frei zur Verfügung zu stellen, mutmaßlich keine große Einsparung zeigen. 

Thekla Beermann dazu: "Die im September 2026 beginnende 10. Konzertsaison des Blueswerk Norderstedt e.V. wird nach gegenwärtigem Stand die letzte reguläre Spielzeit des Vereins sein. Unter dem Titel „Endspiel“ veranstaltet das Blueswerk bis Juni 2027 noch einmal zehn Konzerte mit nationalen und internationalen Blues- und Bluesrock-Acts im Kulturwerk am See. Der Grund für das bevorstehende Ende ist eine Kürzung der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Norderstedt.

Für einen ehrenamtlich geführten Kulturverein ist dies nicht dauerhaft auszugleichen. Der Vorstand des Blueswerks stellt zugleich unmissverständlich klar: Alle bereits vereinbarten und bestätigten Konzerte der 10. Saison finden wie geplant statt. Sämtliche geschlossenen Verträge werden erfüllt. Für die bereits gebuchten Künstlerinnen und Künstler, Bands und Agenturen besteht daher kein Anlass zur Sorge. Das Blueswerk wird die Jubiläumssaison mit derselben Professionalität, Verlässlichkeit und Gastfreundschaft durchführen wie die vorangegangenen Spielzeiten."

Der Vorstand des Blueswerk Norderstedt kritisiert jedoch mit Nachdruck die fachliche und wirtschaftliche Grundlage der Kürzungsentscheidung. Nach Auffassung des Vereins handelt es sich nicht um eine nachhaltige Konsolidierung des städtischen Gesamthaushalts, sondern im Wesentlichen um eine Verschiebung innerhalb des Gesamthaushalts. Die Kürzung entlastet auf dem Papier zunächst den städtischen Kulturetat. Wenn das Blueswerk infolgedessen seine Veranstaltungen im Kulturwerk am See einstellen muss, verliert jedoch zugleich die Mehrzwecksäle Norderstedt GmbH – MeNo, eine städtische Tochtergesellschaft und Betreiberin der Veranstaltungshalle, die entsprechenden Vermietungs- und Veranstaltungserlöse aus dem Kulturetat. Was im Kulturetat formal als Einsparung erscheint, taucht damit an anderer Stelle im städtischen Haushalt zumindest überwiegend wieder als Einnahmeausfall beziehungsweise als schlechteres wirtschaftliches Ergebnis der Hallenbetreiberin MeNo GmbH auf. Die Stadt spart also keinen Cent, nimmt aber in Kauf, dass kulturelle Veranstaltungen wegfallen und zugleich die städtische Tochtergesellschaft MeNo Umsätze verliert.

Eine Kürzung, die lediglich den Kulturetat optisch entlastet, während die wirtschaftlichen Folgen innerhalb des Gesamthaushaltes an anderer Stelle erneut auftreten, ist keine überzeugende Haushaltspolitik. Sie ist vor allem eine Entscheidung gegen Kultur. Wer eine solche Maßnahme als Sparbeitrag vorschlägt oder beschließt, muss die Wechselwirkungen zwischen Kulturförderung, Hallenauslastung und dem wirtschaftlichen Ergebnis der städtischen Tochtergesellschaften kennen und nachvollziehbar bewerten. Dies ist offenbar nicht geschehen und es kann erheblicher Zweifel daran bestehen, ob die Antragsteller und die politischen Entscheidungsträger die wirtschaftlichen Zusammenhänge hinreichend geprüft und fachlich durchdrungen haben.

Gespart wird nicht an Strukturen, sondern am kulturellen Angebot

Besonders bitter ist, dass von der Kürzung ausgerechnet die ehrenamtlich organisierten Vereine betroffen sind. Das Blueswerk hat über fast zehn Jahre hinweg mit hohem persönlichem Einsatz ein anspruchsvolles internationales Blues- und Bluesrockprogramm in Norderstedt aufgebaut. Der Verein übernimmt Programmplanung, Künstlerbetreuung, Vertragsabwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und einen erheblichen Teil der organisatorischen Arbeit ehrenamtlich. Ein vergleichbares Programm müsste bei professioneller Organisation mit deutlich höheren Personal- und Verwaltungskosten kalkuliert werden. Die ehrenamtliche Arbeit des Blueswerks hat der Stadt daher über Jahre hinweg ein kulturelles Angebot beschert, dessen tatsächlicher Wert weit über die gewährte Unterstützung hinausgeht. 

„Wer im Kulturetat streicht, gleichzeitig aber Einnahmeverluste bei einer städtischen Tochtergesellschaft erzeugt, spart nicht überzeugend – er verschiebt das Problem und streicht dabei Kultur. Von den Antragstellern und den politischen Entscheidern hätten wir erwartet, dass sie diese wirtschaftlichen Zusammenhänge erkennen und vor einer solchen Entscheidung vollständig bewerten“, erklärt Thekla Beermann, 2. Vorsitzende des Blueswerk Norderstedt.

Das Ergebnis ist konkret: Am Ende der Saison endet nach gegenwärtigem Stand eine Veranstaltungsreihe, die Norderstedt über Jahre mit internationaler Livemusik bereichert hat. Zugleich verliert das Kulturwerk am See regelmäßige Veranstaltungen und die damit verbundenen Einnahmen. Der Vorstand bewertet es als kulturpolitisch kurzsichtig, eine über Jahre erfolgreich aufgebaute und ehrenamtlich getragene Konzertreihe wegen einer bilanziell fragwürdigen Sparmaßnahme zu gefährden. Der damit verbundene Verlust lässt sich später nicht rückgängig machen. Gewachsene Kontakte zu internationalen Agenturen und Bands, Vertrauen in die Verlässlichkeit eines Veranstalters, ehrenamtliche Strukturen und ein über Jahre aufgebautes Publikum können nicht auf Knopfdruck wiederhergestellt werden.

Trotz der ernsten Lage wird das Blueswerk seine 10. Saison nicht als stillen Abgesang gestalten. Die kommenden Konzerte im Kulturwerk am See sollen ein kraftvoller und musikalisch besonderer Abschluss werden. Der Verein will noch einmal zeigen, welche Qualität ehrenamtlich getragene Kulturarbeit nach Norderstedt bringen kann. Zugleich fordert das Blueswerk die politisch Verantwortlichen auf, die Entscheidung nicht nur aus der engen Perspektive einer einzelnen Haushaltsposition zu betrachten. Notwendig ist eine transparente Gesamtberechnung, die auch die Folgen für die MeNo GmbH, das Kulturwerk am See und den Kulturstandort Norderstedt berücksichtigt. Kultur als haushaltsmathematisches Problem zu verstehen, kann nicht Grundlage verantwortungsvoller Politik sein!