Norderstedt (em) Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada. „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet!” Mit diesem und ähnlichen Texten auf Postkarten, die sie heimlich in Treppenhäusern, Briefkästen und in Hinterhöfen deponieren, rufen die Berliner Eheleute Quangel zum Widerstand auf. Durch den Tod ihres einzigen Sohnes im Zweiten Weltkrieg haben sie ihren Lebenssinn verloren und ihn durch die heimlich ausgelegten Botschaften, die dem NS-Regime den Krieg erklären, neu gefunden.

So ist Falladas Hinterhofpanorama „Jeder stirbt für sich allein“, das auf dem realen Fall und den Gestapo-Ermittlungsakten des 1942 durch Denunziation verhafteten und zum Tode verurteilten Ehepaares Hampel basiert, auch ein großer Liebesroman. Dem erfahrenen Theatermann Volkmar Kamm gelingt es in seiner Dramatisierung in beklemmender Eindringlichkeit, die emotional sehr anrührende Atmosphäre einzufangen und in Momentaufnahmen die verschiedenen Schicksale der Denunzianten, Opfer, Mitläufer, Spitzel und überzeugten Nazis zu bündeln.

Die Produktion der Schauspielbühnen in Stuttgart, Altes Schauspielhaus (Intendant: Manfred Langner) und des EURO-STUDIO Landgraf (Leitung: Joachim Landgraf) in der Regie von Volkmar Kamm ist am 3. März um 20 Uhr im Kulturwerk am See zu sehen. Die Ausstattung stammt von Konrad Kulke. Neben Peter Bause und Hellena Büttner als Ehepaar Quangel spielen neun weitere Schauspieler, unter anderem Katrin Reuter, Julian Bayer, Aki Tougiannidis, Ralf Grobel, Uwe-Peter Spinner, Volker Jeck, Markus Angenvorth und Armin Jung.

„Das Buch hat die Spannung eines Le-Carré-Romans, ein tiefgehendes, erschütterndes Porträt”, schrieb The New Yorker online, und auch von der New York Times wurde das literarische Großereignis gefeiert. Den Überraschungs-Weltbestseller, der 2011 in den USA auf dieses sensationelle Echo stieß, verfasste der gesundheitlich total zerrüttete Autor Hans Fallada bereits 1946. In der Nervenklinik der Berliner Charité schrieb er die rund 850 Manuskriptseiten von „Jeder stirbt für sich allein“ in nur dreieinhalb Wochen. Drei Monate vor der Veröffentlichung starb er.