Hasenkrug. Sie sehen aus wie Mini-Drachen, sonnen sich auf warmen Steinen und Sandhaufen, verschwinden blitzschnell zwischen Wurzeln und Grashalmen: Zauneidechsen sind auffällig, aber in Schleswig-Holstein stark gefährdet (Rote Liste 2). Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat deshalb seit 2019 im Kreis Segeberg mehr als 840 junge Zauneidechsen ausgewildert – und damit eines der größten Wiederansiedlungsprojekte für die streng geschützte Reptilienart im Land abgeschlossen.
Besonders erfreulich: Im Stiftungsland Bad Bramstedt, einem der drei Projektgebiete, gibt es bereits erste Hinweise darauf, dass sich die Tiere erfolgreich vermehren. Für Hasenkrug und Latendorf hoffen die Zauneidechsen-Retter*innen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf baldige Reproduktionsnachweise. Sie wären ein wichtiges Zeichen dafür, dass aus der aufwendig vorbereiteten Aussetzung Schritt für Schritt eine selbstständige Population entsteht. „Eine Zauneidechse auszusetzen ist der einfache, aber auch der schönste Teil. Entscheidend ist, dass sie dauerhaft bleibt, sich fortpflanzt und irgendwann ganz ohne unsere Hilfe überlebt. Genau dafür haben wir die Lebensräume geschaffen“, sagt Janis Ahrens, Projektleiter des groß angelegten Zauneidechsen-Rettungsprojekts (Wiederansiedlungsprojekts) der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Sieben Jahre Artenschutz mit Plan
Das Projekt lief von 2019 bis 2026 und verfolgte ein klares Ziel: Im Kreis Segeberg neue, dauerhaft überlebensfähige Zauneidechsen-Populationen aufzubauen.
Dafür schuf Ahrens gemeinsam mit seinem Team zunächst die passenden Lebensräume. Allein im Stiftungsland Hasenkrug entstanden 2019:
- 20 sandige Rohbodenstellen auf insgesamt etwas mehr als einem halben Hektar,
- 13 kombinierte Baumwurzel- und Steinhaufen auf einer Gesamtlänge von rund 250 Metern,
- ein halber Hektar neue Heideflächen sowie zahlreiche Sonnenplätze, Verstecke und Winterquartiere.
Erst danach zogen die kleinen Reptilien ein. Insgesamt wurden im Projektverlauf 144 Zauneidechsen in Bad Bramstedt, 150 Tiere in Latendorf und rund 540 Tiere in zwei Teilgebieten des Stiftungslandes Hasenkrug ausgewildert. So konnten in vier Teilgebieten neue Populationen aufgebaut werden.
Artenschutz ist Teamarbeit
Von der Beantragung der Fördermittel über die notwendigen Genehmigungen und die Beauftragung der Arbeiten bis zur langfristigen Entwicklung der Flächen laufen bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die Fäden zusammen. Denn mit dem Aussetzen der Zauneidechsen ist die Arbeit längst nicht getan: Damit ihre Lebensräume dauerhaft geeignet bleiben, müssen die Flächen gepflegt und offengehalten werden. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die Pächter*innen der Stiftung mit ihren Weidetieren.
Und auch die Aufzucht der kleinen Reptilien braucht viel Fachwissen und Engagement. „Dass wir im Laufe des Projekts mehr als 840 Zauneidechsen auswildern können, hätte ich zu Beginn niemals erwartet. Dieser Erfolg ist auch der großen Leidenschaft und dem Engagement unserer Projektpartner Patrick Pohlmann und Thomas Jaspert von der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung (GFN) zu verdanken“, sagt Ahrens.
Ein Zuhause nach Maß
Zauneidechsen sind echte Spezialisten. Sie brauchen warme Sonnenplätze zum Aufheizen, lockere Sandflächen für die Eiablage, dichte Säume als Versteck und reichlich Insekten als Nahrung. Genau dieses Mosaik hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein geschaffen.
Stubbenhaufen aus Baumwurzeln und Totholz bieten sichere Verstecke und Winterquartiere, Steinhaufen speichern Wärme, Heideflächen und heimische Wildpflanzen locken Insekten an. Dazwischen liegen immer wieder geeignete Trittsteinbiotope, über die sich die Tiere durch ihren Lebensraum bewegen können.
„Wir bauen keine Zauneidechsen-Gehege. Wir entwickeln ganze Lebensräume und verwandeln einheitsgrüne Wiesen in Zauneidechsen-Paradiese. Davon profitieren weit mehr Arten als nur die Zauneidechse“, sagt Ahrens. Die kleinen Reptilien faszinieren ihn bereits seit seinem Studium; schon seine Masterarbeit widmete er der Art. „Umso schöner ist es für mich, dass ich mich auch bei meiner Arbeit für die Stiftung Naturschutz weiter mit der Zauneidechse beschäftigen und ganz konkret zu ihrem Erhalt in Schleswig-Holstein beitragen kann.“
Wenn die Zauneidechse profitiert, profitiert die Natur
Die Zauneidechse gilt als sogenannte Schirmart. Das bedeutet: Wo sie geeignete Lebensräume findet, profitieren meist auch zahlreiche andere Arten. Die neu entstandenen Heide- und Trockenlebensräume mit ihren Säumen bieten beispielsweise Wildbienen, Heuschrecken, Schmetterlingen und zahlreichen Vogelarten Nahrung und Rückzugsräume.
Damit leistet das Projekt weit mehr als den Schutz einer einzelnen Reptilienart: Es stärkt die biologische Vielfalt trockener, strukturreicher Offenlandlebensräume in Schleswig-Holstein insgesamt.
Jetzt zeigt sich, ob die kleinen Drachen bleiben
Mit der letzten Aussetzung endet zwar das Förderprojekt – die Arbeit der Stiftung jedoch nicht. In den kommenden Jahren beobachten Janis Ahrens und sein Team weiter, wie sich die neuen Populationen entwickeln. Besonders spannend ist dabei der Nachweis, dass sich die ausgesetzten Zauneidechsen erfolgreich im Freiland vermehren und die Populationen langfristig auf eigenen Beinen stehen.
Damit sich die Tiere künftig auch weiter ausbreiten können, brauchen sie vor allem vernetzte Lebensräume. Säume, Trittsteinbiotope und Grünbrücken können Verbindungen zwischen geeigneten Lebensräumen schaffen und langfristig den Austausch zwischen Populationen ermöglichen.
Das Projekt wurde mit Mitteln des Kreises Segeberg aus dem Segeberg-Fonds (Ersatzgelder) sowie im Rahmen eines ELER-geförderten Projekts umgesetzt.
Foto: Projektleiter Janis Ahrens wildert die in etwa zwei Wochen alten Zauneidechsen im Stiftungsland Hasenkrug im Kreis Segeberg aus.
