Bad Segeberg. Die Baukosten für die Kreissporthalle steigen von 10, 3 auf 16,9 Millionen Euro und CDU Fraktion im Kreistag fordert nun eine unabhängige Prüfung und vollständige Aufklärung bevor weitere Millionen freigegeben werden.

Der Fraktionsvorsitzende Till Wenzel begründet die Forderung: “ Die Sanierung der Kreissporthalle entwickelt sich zunehmend zu einem Symbol für ein grundsätzliches Problem bei den Bauprojekten des Kreises Segeberg. Nur rund 18 Monate nach dem Baubeschluss legt die Kreisverwaltung eine neue Kostenprognose vor: Statt ursprünglich 10,3 Millionen Euro stehen inzwischen rund 16,88 Millionen Euro im Raum. Die Fertigstellung verschiebt sich voraussichtlich von März 2028 auf März 2030. Gleichzeitig sind Fördermittel in Höhe von rund 2,28 Millionen Euro derzeit nicht gesichert.” Für die CDU-Kreistagsfraktion ist damit eine Grenze überschritten.  „Wir reden hier nicht einfach über eine normale Baukostensteigerung. Bauen kann teurer werden, gerade bei einer Sanierung können unvorhergesehene Dinge auftreten. Aber wir müssen uns als Kreistagsabgeordnete darauf verlassen können, dass uns die Verwaltung eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefert“, erklärt Fraktionsvorsitzender Till Wenzel. 

„Wir sind ehrenamtliche Kommunalpolitiker und keine Statiker, Architekten oder Bauingenieure. Wir können nicht jede Wand selbst untersuchen. Genau deshalb gibt es eine Verwaltung mit Fachleuten. Wenn wir uns auf deren Einschätzungen nicht mehr verlassen können, wird eine verantwortungsvolle politische Entscheidung zum Blindflug.“ 

Im Juni 2021 beschloss der Kreistag die energetische Sanierung der Kreissporthalle mit einem Kostenrahmen von 10,3 Millionen Euro. Im Oktober 2023 lag die Kostenberechnung bereits bei 14,39 Millionen Euro. 

Im März 2025 beschloss der Kreistag die Bauausführung. Grundlage war unter anderem die Zusicherung der Verwaltung, dass rund 83 Prozent der Bauleistungen bereits in verpreisten Leistungsverzeichnissen vorlägen und eine Budgeterhöhung „nach aktuellem Sachstand nicht erforderlich“ sei. Die Nutzungsaufnahme war für den 1. März 2028 vorgesehen. 

Heute stehen 16,88 Millionen Euro und eine voraussichtliche Nutzungsaufnahme erst im März 2030 im Raum. Besonders bemerkenswert: Die Kosten für Baukonstruktion und technische Anlagen sind von 1.540 Euro je Quadratmeter Bruttogrundfläche auf 3.049 Euro gestiegen – und liegen damit sogar über dem Wert, den die Verwaltung selbst im Februar 2025 für einen kompletten Neubau angesetzt hatte. 

Die aktuelle Beschlussvorlage benennt erhebliche Mängel: fehlende Verzahnungen des Hintermauerwerks, freiliegende Bewehrung, Abplatzungen am Ringbalken, Risse in Wänden und Böden sowie beschädigte oder fehlende tragende Stützen. Gleichzeitig wurde die Bestandserkundung lediglich „stichprobenartig“ durchgeführt. 

„Genau hier liegt für uns der entscheidende Punkt“, so Wenzel. „Die Kreis-sporthalle stammt aus den Jahren 1982/83. Bei einem mehr als 40 Jahre alten Gebäude muss vor einer Investitionsentscheidung in dieser Größenordnung eine belastbare Untersuchung der Tragkonstruktion erfolgen.“ 

„Wenn uns im März 2025 erklärt wird, dass die Kosten weitgehend abgesichert sind, und wir anderthalb Jahre später erfahren, dass wesentliche Teile der Tragkonstruktion nicht ausreichend untersucht wurden, stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage der Kreistag diese Entscheidung getroffen hat.“ 

Auch die Entwicklung des Risikopuffers wirft Fragen auf. Der Ansatz für Unvorhergesehenes wurde von 694.700 Euro im Jahr 2021 über 295.000 Euro im Jahr 2023 auf heute lediglich 100.000 Euro reduziert. 

„Ein Risikopuffer von gerade einmal 0,6 Prozent bei einem solchen Sanierungsprojekt ist aus unserer Sicht kein ernsthaftes Risikomanagement.“  Hinzu kommt das Risiko bei den Fördermitteln. Der Zuschuss von rund 2,28 Millionen Euro ist an einen Verwendungsnachweis bis Januar 2027 gebunden. Eine Verlängerung wird angestrebt, die Bestätigung des Fördermittelgebers steht jedoch noch aus. Sollte diese ausbleiben, könnte sich die Finanzierungslücke auf mehr als 4,7 Millionen Euro erhöhen. 

Auch der Umgang mit der Neubauvariante muss aus Sicht der CDU hinterfragt werden. Ein Prüfauftrag zum Neubau endete im Februar 2025 mit dem  Verwaltungsfazit, eine Vergleichbarkeit sei nicht gegeben, und einer Empfehlung für die Sanierung.  Die aktuelle Nutzwertanalyse kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass der Neubau einen höheren Nutzwert erreicht. Gleichzeitig räumt die Wirtschaftlichkeits-betrachtung ein, dass sich „eine eindeutig überlegene Lösung nicht ergibt“.  „Wenn selbst die eigene Wirtschaftlichkeitsbetrachtung keine eindeutig überlegene Lösung feststellt, können wir nicht so tun, als sei die Sanierung alternativlos“, sagt Wenzel. 

Für die CDU-Fraktion ist die Kreissporthalle kein isolierter Einzelfall. Auch bei anderen großen Bauprojekten des Kreises gibt es Fragen zur Planung, Kostenentwicklung und Steuerung – unter anderem beim BBZ Norderstedt, Haus B, Rosenstraße, der Feuerwehrtechnischen Zentrale und den Förderschulen. 

Allein die laufenden Hochbauprojekte haben einen Investitionsumfang von deutlich über 100 Millionen Euro.  „Einmal ist Pech, zweimal ist Zufall. Aber wenn sich bei fünf oder sechs Projekten ähnliche Muster zeigen, müssen wir über Systematik sprechen“, so Wenzel. 

„Die Frage darf nicht länger lauten, ob bei einem Kreisbauprojekt nachgefordert wird, sondern nur noch wann und wie viel. Das beschädigt die Grundlage unserer Arbeit im Kreistag.“ Die CDU-Fraktion fordert deshalb vor der für den 8. Oktober vorgesehenen Entscheidung über weitere 2,49 Millionen Euro: 

1.    Eine unabhängige Überprüfung der Variantenbetrachtung einschließlich einer realistischen Risikobewertung. 2.    Vollständige Aufklärung, wie es zu den Aussagen der Verwaltung vom März 2025 kommen konnte und welche Voruntersuchungen tatsächlich durchgeführt wurden. Das Rechnungsprüfungsamt ist einzubeziehen. 3.    Verbindliche Klärung der Fördermittel vor einer weiteren Mittelfreigabe. 4.    Ein belastbares Risikobudget statt eines Ansatzes von lediglich 100.000 Euro. 5.    Eine systematische Aufarbeitung aller laufenden Kreisbauprojekte mit Kosten-, Termin- und Planungsvergleich. 6.    Ein professionelles Bauprojekt-Controlling mit regelmäßiger Berichterstattung an den Kreistag. 7.    Eine ehrliche Kommunikation gegenüber Schulen, Vereinen und dem Kreissportverband, die nun voraussichtlich bis 2030 ohne die Kreissporthalle planen müssen.

„Wir erwarten von der Verwaltung keine Unfehlbarkeit. Aber wir erwarten belastbare Zahlen, sorgfältige Untersuchungen und eine ehrliche Darstellung der Risiken“, erklärt Wenzel abschließend.  „Der Kreistag hat der Verwaltung mehrfach vertraut – insbesondere 2025. Dieses Vertrauen wurde enttäuscht. Wir können als ehrenamtliche Kreistagsmitglieder nicht auf Grundlage der Informationen der Verwaltung Entscheidungen treffen und anschließend feststellen müssen, dass diese Grundlage nicht belastbar war.“ „Ein viertes Mal wird es dieses Vertrauen ohne eine unabhängige Überprüfung der Zahlen nicht geben.“