Kaltenkirchen. Seit 1992 verbindet die deutsch-polnische Jugendbegegnung die Partnerstädte Kaltenkirchen und Kalisz Pomorski. Was vor 35 Jahren mit einer Initiative des damaligen Bürgermeisters Ingo Zobel und des damaligen Stadtjugendring-Vorsitzenden Andreas Keller begann, ist heute ein fester Bestandteil der Städtepartnerschaft und ein lebendiges Beispiel für gelebte Völkerverständigung.
Die erste Begegnung führte acht Kinder aus Kalisz Pomorski nach Schleswig-Holstein. Aus diesem kleinen Anfang entwickelte sich ein regelmäßiger Jugendaustausch, an dem heute jährlich rund 40 Jugendliche im Alter von 11 bis 14 Jahren teilnehmen – jeweils etwa zur Hälfte aus beiden Partnerstädten. Über 15 Tage stehen das persönliche Kennenlernen, gemeinsame Erlebnisse und der Abbau sprachlicher und kultureller Grenzen im Mittelpunkt. Sprachworkshops, kreative Angebote und gemeinsame Mahlzeiten schaffen Raum für Begegnung und Freundschaften, die häufig weit über die zwei Wochen hinaus bestehen bleiben.
Ein wichtiger Garant für die Kontinuität der Begegnungen ist seit mehr als 15 Jahren die DLRG Kaltenkirchen e.V. Der Verein übernimmt die Organisation, Durchführung und Betreuung auf deutscher Seite. Das bewährte Team um Andreas Keller, Christian Rüter, Kim Steger und die Dolmetscherin Marzena Wroblewska arbeitet dabei eng mit den langjährigen polnischen Partnern zusammen. Auch das fünfköpfige Küchenteam unter Leitung der Lehrerin Anja Messer trägt zum Gelingen der Begegnung bei.
Die diesjährige Jubiläumsbegegnung bot den Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm in Polen und Deutschland. In Kalisz Pomorski standen unter anderem der offizielle Empfang im historischen Wedel-Palast, eine Kanutour im Drawno-Nationalpark, kreative Workshops und der traditionelle Gurkenjahrmarkt auf dem Programm. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch Danzigs mit dem Langen Markt, dem Neptunbrunnen, dem Bernsteinmuseum und der historischen Westerplatte.
Ein weiterer Höhepunkt war der mehrtägige Aufenthalt in Berlin. Beim Besuch des Deutschen Bundestages und der Reichstagskuppel erhielten die Jugendlichen Einblicke in demokratische Prozesse. Am Checkpoint Charlie und am Mauermuseum setzten sie sich mit der deutschen Teilung sowie den Themen Freiheit, Demokratie und Menschenrechte auseinander.
Die zweite Hälfte des Austauschs verbrachte die Gruppe mit Basis in Kaltenkirchen. Wasserski in Süsel, die Holstentherme, das Freilichtmuseum Molfsee, die Segeberger Höhlen und das Fledermaus-Erlebniszentrum sorgten für Abwechslung. Ausflüge nach Laboe mit dem Marine-Ehrenmal und dem U-Boot U 995 sowie ein Mitmach-Zirkusworkshop in Kaltenkirchen rundeten das Programm ab.
Offenheit und Weiterentwicklung prägen die Jugendbegegnung seit jeher. Nachdem bereits 2024 erstmals Jugendliche aus der Ukraine teilgenommen hatten, wurde diese internationale Ausrichtung 2025 und auch bei der 35. Begegnung 2026 fortgesetzt. Jugendliche aus der Ukraine und Russland gehörten zur Gruppe. Damit setzt die Begegnung ein besonderes Zeichen für Verständigung, Frieden und ein friedliches Miteinander über Grenzen hinweg.
Mit der diesjährigen 35. Begegnung haben insgesamt 1.107 Jugendliche an der deutsch-polnischen Jugendbegegnung teilgenommen. Eine stolze Zahl, die die Nachhaltigkeit und den Erfolg dieses Projekts eindrucksvoll unterstreicht. Über drei Jahrzehnte hinweg wurden damit Begegnungen ermöglicht, Freundschaften geschlossen und Verständnis für andere Kulturen geschaffen.
Feierlicher Abschluss war der gemeinsame Abschiedsabend in Kaltenkirchen. Neben den Jugendlichen und ihren Eltern kamen zahlreiche Wegbegleiter, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Vertreter des Freundeskreises Kaltenkirchen – Kalisz Pomorski, Referenten der VHS, politische Vertreter sowie Vorstandsmitglieder der DLRG zusammen. Dabei wurde auch die Teilnahme am European Festival in Bad Segeberg angeregt.
35 Jahre kontinuierlicher Jugendaustausch zeigen eindrucksvoll, wie aus einer Städtepartnerschaft lebendige Freundschaften und nachhaltige Verständigung entstehen können. Die Organisatorinnen und Organisatoren blicken deshalb bereits auf die nächste Begegnung im Jahr 2027. Auch dann sollen Jugendliche aus Kaltenkirchen und Kalisz Pomorski wieder gemeinsam erleben, was Europa im besten Sinne ausmacht: Begegnung, Freundschaft, Respekt und gegenseitiges Verständnis.
