Kaltenkirchen. Am Wochenende stand die Lakweghalle wieder ganz im Zeichen des traditionellen Shotokan-Karate. Die Karateabteilung der Kaltenkirchener Turnerschaft begrüßte rund 170 Karateka aus ganz Deutschland sowie Gäste aus Dänemark zum traditionellen Lehrgang mit Sensei Masao Kawasoe (8. Dan), einem der international angesehensten Karate-Lehrer seiner Generation.
Dabei gab es in diesem Jahr einen besonderen Anlass zu feiern: Am ersten Lehrgangstag begingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit Kawasoe dessen 81. Geburtstag. Dass der Großmeister auch in diesem Alter noch mehrere intensive Trainingseinheiten leitet, beeindruckte viele der Anwesenden. Zwar berichtet er selbst mit einem Lächeln von gelegentlichen Beschwerden an Schulter, Rücken oder Knien, auf der Trainingsfläche ist davon jedoch wenig zu spüren. Mit großer Präsenz, Humor und beeindruckender Beweglichkeit demonstrierte er einmal mehr, warum er weltweit hohes Ansehen genießt.
Die Teilnehmer kamen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen nach Kaltenkirchen. Die jüngsten Karatekas stehen noch am Anfang ihres sportlichen Weges, während zahlreiche Dan-Träger und erfahrene Trainer die Gelegenheit nutzten, ihr Wissen zu vertiefen. Genau diese Mischung macht den Reiz des Lehrgangs seit vielen Jahren aus: Anfänger und Fortgeschrittene trainieren gemeinsam und profitieren gleichermaßen von Kawasoes Erfahrung und seiner besonderen Art zu unterrichten.
Im Mittelpunkt standen auch in diesem Jahr die Grundlagen des Karate. Oi-Zuki, Mae-Geri und andere Basistechniken wurden nicht einfach wiederholt, sondern bis ins Detail analysiert und verfeinert. Dabei zeigte Kawasoe eindrucksvoll, dass selbst in scheinbar einfachen Bewegungen noch enormes Entwicklungspotenzial steckt. Mit großer Geduld nahm er sich Zeit für individuelle Korrekturen und verstand es, sowohl Anfängern als auch erfahrenen Schwarzgurten wertvolle Impulse mit auf den Weg zu geben.
Für die höheren Graduierungen standen darüber hinaus anspruchsvollere Trainingseinheiten auf dem Programm. Hier ging es um technische Feinheiten, Timing und die praktische Anwendung komplexerer Bewegungsabläufe. Besonders geschätzt wurde dabei Kawasoes Fähigkeit, selbst schwierige Inhalte verständlich zu vermitteln und den Blick auf bekannte Techniken immer wieder neu zu schärfen.
Der Lehrgang war für viele Teilnehmende weit mehr als ein gewöhnliches Trainingswochenende. Neben der sportlichen Herausforderung bot er Gelegenheit zum Austausch mit Karateka aus unterschiedlichen Vereinen und Regionen. Die besondere Atmosphäre in der Halle und die Begeisterung für die gemeinsame Sache waren während des gesamten Wochenendes spürbar.
Zum Abschluss bedankte sich Abteilungsleiter Knud Möhle bei allen Helferinnen und Helfern, den angereisten Karateka sowie natürlich bei Sensei Kawasoe für dessen unermüdlichen Einsatz. Ob der Großmeister auch im kommenden Jahr wieder nach Kaltenkirchen kommen wird, ließ er wie gewohnt offen. Seit Jahren kündigt er an, etwas kürzer treten zu wollen. Die Energie und Freude, mit der er auch seinen 81. Geburtstag auf der Trainingsfläche verbrachte, lassen jedoch hoffen, dass die Karatekas in Kaltenkirchen noch nicht zum letzten Mal von seinem Wissen profitieren konnten.
