Neumünster. Im August steigt die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer in der Region Mittelholstein gegenüber dem Vormonat Juli an. Mit dem Anstieg um 220 oder 2 Prozent überschreitet sie damit wieder die 11.000er-Marke. Damit sind nunmehr 11.043 Menschen in der Stadt Neumünster und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde arbeitslos gemeldet. „Zwei Dinge stimmen mich trotz des weiteren Anstiegs der Arbeitslosigkeit in Mittelholstein optimistisch“, führt Thorben Sauck, Leiter der Agentur für Arbeit Neumünster, aus.
„Genauso wie ein Anstieg der Arbeitslosigkeit für den Hochsommer typisch ist, sinkt die Zahl der arbeitslosen Menschen mit der in den nächsten Monaten einsetzenden Herbstbelebung in der Regel wieder. Anders als in vielen Vorjahren ist der August in diesem Jahreszyklus nicht der Monat mit der höchsten Arbeitslosenzahl. Einerseits finden trotz der saisonalen Delle immer noch viele Integrationen in Erwerbstätigkeit statt. Und des Weiteren sorgen auch arbeitsmarktpolitische Angebote für unsere Kundinnen und Kunden in Arbeitsagentur und Jobcenter für Entlastung.“ Zuletzt waren rund 2.700 Menschen in einem Aus- oder Weiterbildungsangebot.
Mit Blick auf den überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den jungen Erwachsenen ergänzt er: „Im Hochsommer kommt es regelmäßig zu dem saisontypischen Phänomen, dass die Zahl der Unter-25-Jährigen, die sich arbeitslos gemeldet haben, deutlich über dem Wert des Anstiegs der Gesamtarbeitslosigkeit liegt. Betriebe, die ihre Auszubildenden nicht übernehmen, aber auch junge Menschen, die sich zur Wahrung von Ansprüchen vorsorglich arbeitslos melden, lassen diesen Wert überproportional steigen. Auch hier ergeben sich meist im Laufe der nächsten Wochen neue Perspektiven, so dass die Zahl der jungen Arbeitslosen bald wieder zurückgehen dürfte.“
Im Vergleich zum Vorjahr (August 2025) stieg die Zahl der arbeitslosen Menschen von der Eckernförder Bucht bis nach Neumünster um 203 oder 1,9 Prozent an.
„Damit setzt sich der Trend der vergangenen Monate fort“, stellt der Agentur-Chef fest. „Seit Beginn des Jahres haben wir Monat für Monat stets eine höhere Zahl von arbeitslosen Menschen als im Vorjahr gehabt. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt hat also etwas nachgelassen. Der Arbeitsmarkt ist aber kein statisches Gebilde. Es passiert immer noch unheimlich viel, was sich gut an den Bewegungszahlen ablesen lässt. Rund 2.600 Menschen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos, Rund 2.400 verließen im August die Arbeitslosigkeit. Und auch vom Stellenmarkt gibt es mitten in der Sommerzeit auf dem Arbeitsmarkt gute Nachrichten: Mit 654 sozialversicherungspflichtigen Stellenmeldungen liegt der August im Jahreszyklus auf dem vierten Rang. Der Arbeitsmarkt bleibt – trotz konjunktureller Herausforderungen – in der Summe stabil und durchaus auch aufnahmefähig“, analysiert der Agentur-Chef die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in Mittelholstein.
Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Neumünster sind im August 11.043 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen. Das sind 220 mehr als im Vormonat Juli (+2,0 Prozent) und 203 mehr als ein Jahr zuvor (plus 1,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 5,7 Prozent. Im Juli lag sie noch bei 5,6 Prozent, genauso wie auch vor einem Jahr.
Auf dem Arbeitsmarkt gab es zudem auch im August eine Menge Bewegung. So meldeten sich im August 929 Personen aus einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos, 103 mehr als im Juli und 109 mehr als vor einem Jahr. Ihnen gegenüber stehen 726 Personen, die ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden konnten, 70 mehr als im Juli und 59 mehr als vor einem Jahr.
Arbeitsagentur und Jobcenter
Die Zahl der bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldeten Menschen (Arbeitslosengeld) beträgt im August 4.216 Personen – 96 mehr als im Juli (plus 2,3 Prozent) und 297 mehr als vor einem Jahr (plus 7,6 Prozent). Bei den Jobcentern (Grundsicherung) sind im August 6.827 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 124 Personen mehr als im Juli (plus 1,8 %) und 94 weniger als vor einem Jahr (minus 1,4 Prozent).
Stellenangebot
Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service (gAG-S) der Agentur für Arbeit und der beiden Jobcenter wurden im August 654 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet 67 mehr als im Juli (plus 11,4 Prozent) und 162 mehr als vor einem Jahr (plus 32,9 Prozent). Die meisten Stellenangebote kamen im August aus dem Bereich der Zeitarbeit, der Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, aus dem verarbeitenden Gewerbe, den Verkehrs- und Logistikberufen sowie der öffentlichen Verwaltung.
Ausbildungsmarkt
Seit Beginn des Berichtsjahres am 1. Oktober 2025 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice Mittelholstein 2.079 betriebliche Berufsausbildungsstellen für das Jahr 2026 gemeldet. Das sind 79 oder 3,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Rund 1.500 dieser gemeldeten Stellen konnten bereits besetzt werden. Das sind aktuell rund 72 Prozent - im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 70 Prozent - aller gemeldeten Stellen.
Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen für Berufsausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil geblieben. Bis zum aktuellen Stichtag meldeten sich 1.721 Bewerber und Bewerberinnen, 4 oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 1.222 von ihnen gelten derzeit bereits als versorgt. Das heisst, sie haben beispielsweise einen Ausbildungsplatz gefunden, gehen weiter zur Schule oder überbrücken mit einem Freiwilligen Jahr. Das sind 71 Prozent aller bei der Berufsberatung in Mittelholstein gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber. Im Vorjahr lag dieser Anteil mit 70,8 Prozent in etwa auf dem aktuellen Niveau.
In diesen Zahlen steckt laut Thorben Sauck eine grundlegende Botschaft: “Es gibt immer noch Angebote, einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Berufsberatung hilft dabei, sie zu lokalisieren und wenn es vielleicht nicht mehr klappt, sinnvolle Alternativen aufzuzeigen.”
Termine für die Berufsberatung gibt es telefonisch unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 00. Auf Wunsch kann auch ein Termin für eine Videoberatung vereinbart werden. Auf https://www.arbeitsagentur.de/videotermin steht, wie es geht.
Arbeitgebende, die sich bei der Wahl ihrer künftigen Nachwuchskraft noch nicht ganz sicher sind, können auch eine Einstiegsqualifizierung - eine Art “Langzeitpraktikum” - in Erwägung ziehen. Tipps dazu gibt der gemeinsame Arbeitgeber-Service unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20.
