Neumünster. Tia Olischer ist Prüfungsbeste der Maler- und Lackierer-Innung Neumünster. Die junge Handwerkerin hat mit Bestnoten abgeschnitten, ihr gesamter Jahrgang arbeitete auf einem sehr hohem Fachniveau. Was Leistung bedeutet, erklärt Obermeister Dennis Schulz. Sie liebt Farben, feine Details und hat sich in einem Beruf behauptet, der noch immer überwiegend von Männern geprägt ist: Tia Olischer aus Elmshorn hat im Maler- und Lackiererhandwerk ihre Berufung gefunden. Nun wurde die 21-Jährige bei der Freisprechungsfeier der Maler- und Lackierer-Innung Neumünster als Prüfungsbeste ihres Jahrgangs ausgezeichnet.

 Ihre Gesellenprüfung schloss sie mit der Note Eins ab. Die junge Handwerkerin absolvierte ihre Ausbildung im Berufsbildungswerk Neumünster und verkürzte die regulären drei Ausbildungsjahre auf zweieinhalb Jahre. Besonders begeistert sie die Vielseitigkeit ihres Berufs. „Ich kann meine eigenen Ideen einbringen und bei der Innengestaltung anwenden“, sagt sie. Als Frau im Handwerk sei der Berufsalltag nicht immer einfach gewesen, räumt sie ein: „Mit den richtigen Kollegen funktioniert es aber sehr gut.“ Deshalb möchte sie andere Frauen ermutigen, den Schritt ins Handwerk zu wagen. Anfangs koste es vielleicht Überwindung, sich durchzusetzen. „Aber man reift charakterlich“, betont Tia Olischer.

Verantwortung statt Ausreden Die Auszeichnung erhielt sie bei der Freisprechungsfeier am Donnerstag, 27. August 2026, im Bistro des Tierparks Neumünster. Obermeister Dennis Schulz gratulierte den Absolventen und erinnerte daran, wie vielseitig der Beruf tatsächlich ist. „Unser Beruf besteht aus deutlich mehr, als Farbe an die Wand zu bringen“, sagte er. Die Nachwuchskräfte hätten gelernt, Untergründe vorzubereiten, zu spachteln, zu schleifen, zu tapezieren, zu lackieren und kreativ zu gestalten. Gleichzeitig hätten sie Verantwortung übernommen, im Team gearbeitet und Probleme gelöst. Zugleich bekannte er sich ausdrücklich zum Leistungsgedanken: „Leistung bedeutet, Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen, sie ordentlich zu Ende zu bringen und nicht bei jedem Problem nach einer Ausrede zu suchen – und Leistung wird auch künftig zählen.“ Vom Vorarbeiter über Baustellenleiter und den Meister bis hin zur Selbstständigkeit stünden den jungen Fachkräften Karrierewege offen. Was die KI nicht kann Auch zur Künstlichen Intelligenz bezog Dennis Schulz Stellung. Sie könne im Handwerk unterstützen, handwerkliches Können aber nicht ersetzen. „Eine KI kann keinen unsicheren Kunden beruhigen, erkennt nicht automatisch Schäden hinter einer Beschichtung und übernimmt keine Verantwortung.“ Sein Rat: KI clever als Werkzeug zu nutzen. Zugleich betonte der Obermeister die Zukunftssicherheit des Berufs. Gebäude müssten erhalten, saniert und geschützt werden, er unterstrich: „Das kann man nicht aus dem Ausland herunterladen. Diese Arbeit muss vor Ort erledigt werden.“

Beeindruckt war Ausbilder Rainer Knoll von den Leistungen des Jahrgangs. „So viele Einser-Abschlüsse habe ich noch nie erlebt“, sagte er. Fünf Absolventinnen und Absolventen erhielten in der praktischen Prüfung die Note Eins – ein Novum. Hinter Tia Olischer belegte Julian Haase, ausgebildet bei der Johannes Reimers GmbH, den zweiten Platz. Dritte wurde Jennifer Yvette Engel, die ebenfalls ihre Ausbildung im Berufsbildungswerk Neumünster absolvierte.

Foto: Obermeister Dennis Schulz (links) und Prüfungsausschussvorsitzender Rainer Knoll freuen sich über die Spitzenleistungen von Tia Olischer (rechts, Prüfungsbeste) und Jennifer Yvette Engel (Drittbeste). Der zweitbeste Absolvent Julian Haase konnte nicht an der Feier teilnehmen.