Neumünster. Mit der feierlichen Freisprechung im Restaurant Käthe-Ring an der Domagkstraße in Neumünster endete am Freitag (26. Juni) für zehn Tischlerlehrlinge die Ausbildungszeit. Nach bestandener Gesellenprüfung erhielten sie im Beisein ihrer Familien, Ausbilder und Lehrkräfte ihre Gesellenbriefe und wurden offiziell in den Kreis der Handwerksgesellen aufgenommen. Obermeister Joachim Schlüter würdigte die Leistungen der Absolventen und machte ihnen zugleich Mut für ihren weiteren Berufsweg. „Ihr seid jetzt qualifizierte Handwerksgesellen. Euch stehen alle Türen offen“, sagte er. Angesichts des spürbaren Fachkräftemangels seien gut ausgebildete Tischler gefragter denn je. Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung fand Schlüter deutliche Worte: „Euer Einsatz kann nicht durch KI ersetzt werden. Das wird im Handwerk nicht passieren. “ Gleichzeitig ermunterte er die jungen Gesellen, sich weiterzubilden – etwa zum Techniker oder Tischlermeister. Nachhaltigkeit, Präzision und Kreativität
Das Tischlerhandwerk verbindet traditionelles Können mit modernster Technik. Gefertigt wird längst nicht mehr nur mit Hobel und Säge, sondern ebenso mit computergesteuerten Maschinen und digitaler Planung. Dennoch bleibt Holz ein Werkstoff, der Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kreativität verlangt. Jeder Stamm besitzt eine individuelle Maserung, Dichte und Farbgebung. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, speichert CO₂, sorgt für ein angenehmes Raumklima und eröffnet nahezu unbegrenzte gestalterische Möglichkeiten – von maßgefertigten Möbeln über hochwertigen Innenausbau bis hin zu energieeffizienten Holzbaukonstruktionen.
Zwei Innungsbeste In diesem Jahr gab es gleich zwei Absolventen, die sich den Titel als Innungsbeste teilen: Justin Seidensticker (Hans Voss Holzbau, Neumünster) und Mats Andreas Kremer (TIB Tischlerei Bartholl, Bad Segeberg). Der 24-jährige Justin Seidensticker aus Großenaspe entschied sich nach seinem Mittleren Schulabschluss (MSA) an der Elly-Heuss-Knapp-Schule Neumünster für das Handwerk, und er schätzt besonders die Vielseitigkeit des Materials: „Jedes Holz ist anders.“ Neben der handwerklichen Arbeit hob er vor allem den Zusammenhalt hervor: „Das Miteinander wird im Handwerk großgeschrieben.“ Für den 23-jährige Mats Andreas Kremer aus Bad Segeberg macht vor allem die kreative Arbeit den Reiz des Berufs aus. „Holz ist der beste Rohstoff“, sagte der frischgebackene Geselle.
Beide Gesellen bleiben ihren Ausbildungsbetrieben treu und können sich eine Meisterausbildung in der Zukunft gut vorstellen. Den zweiten Platz in der Gesellenprüfung belegte Thore Penke (Feine Möbelwerkstatt, Inhaber Henning Melzer, Neumünster).
Neben den Prüfungsergebnissen wurden auch die gestalterischen Leistungen im Wettbewerb „Die Gute Form“ ausgezeichnet. Dieser Sonderwettbewerb bewertet ausschließlich Gestaltung und Idee des Gesellenstücks. Den ersten Platz belegte Jonas Küster (Die Möbel Tischlerei, Olaf Kröger, Neumünster). Auf Rang zwei folgte Thore Penke, Platz drei ging an Justin Seidensticker.
Traditionell überreichte Bernd Langbehn, Neffe des Stifters der Werner-Hesebeck-Stiftung aus Henstedt-Ulzburg, den drei besten Absolventen Geldpreise. Mit den Schecks wurde gezeigt: Wer Einsatz zeigt und hervorragende Leistungen erbringt, soll dafür auch belohnt werden.
Auch Klassenlehrer Hendrik Jähn von der Walter-Lehmkuhl-Schule fand anerkennende Worte für den Jahrgang. Er hob das Engagement der Schüler hervor und erinnerte an einen besonderen Vorteil der dualen Ausbildung: Wer mit dem Ersten Allgemeinen Schulabschluss (ESA) in die Ausbildung startet und die Berufsschule mit mindestens der Note Drei abschließt, erwirbt automatisch den Mittleren Schulabschluss (MSA). Damit eröffne das Handwerk nicht nur hervorragende Berufschancen, sondern auch zusätzliche Bildungswege.
