Quickborn. Ein kleiner Finger, eine große Hand und dann ein gemeinsamer Druck auf den Startknopf. Bürgermeister Thomas Beckmann und eines der Kinder der DRK-Kita Hainbuchenstieg setzen gemeinsam die neue Holzhackschnitzelheizung der Himmelmoorhäuser in Gang. Erst beginnt es zu rattern, dann setzt sich die Technik hörbar in Bewegung. Hackschnitzel werden aus der Kipplore in die Anlage befördert, noch einmal zerkleinert und weitertransportiert. Wenig später lodert hinter der Scheibe das erste Feuer. Wärme aus Holz, das nur wenige Meter entfernt gewachsen ist.

Das Holz fällt bei den notwendigen Entkusselungsarbeiten zur Renaturierung des Himmelmoors an und bleibt künftig vor Ort. Es wird zu Hackschnitzeln verarbeitet, im Himmelmoor gelagert und getrocknet und mit der Torfbahn zum Heizcontainer gebracht. Von dort versorgt die neue Anlage die historischen Himmelmoorhäuser über eine Nahwärmeleitung.

„Das Himmelmoor liefert selbst einen Teil der Energie, die wir brauchen, um seine Natur zu schützen und seine Geschichte an diesem Ort lebendig zu halten“, fasste Bürgermeister Thomas Beckmann den Gedanken hinter dem Projekt zusammen.

Die Ausgangslage war anspruchsvoll: Mehr als 100 Jahre alte, denkmalgeschützte und ungedämmte Gebäude in einem Außengebiet ohne Gasanschluss sollten zuverlässig, wirtschaftlich und möglichst klimafreundlich beheizt werden. Seit 2023 wurde an einer Lösung gearbeitet. Entstanden ist eine Holzhackschnitzelheizung mit 99 Kilowatt Leistung, ergänzt durch eine 16-Kilowatt-Wärmepumpe für den Sommer und wärmere Tage. Auf dem Dach produziert eine Photovoltaikanlage Strom. 

Langfristig soll sich das Ensemble Schritt für Schritt zu einem weitgehend selbstversorgenden Standort entwickeln. Neben der Wärmeversorgung und der Photovoltaikanlage gehören dazu eine Batterieanlage, ein geplanter Trinkwasserbrunnen und eine eigene Klärlösung. Unter dem Leitgedanken „Quickborns Zentrum für Nachhaltigkeit“ entwickelt die Stadt die Himmelmoorhäuser und ihr Umfeld zugleich zu einem besonderen Ort für Natur, Geschichte, Bildung, Forschung und Begegnung weiter.

Zur offiziellen Inbetriebnahme waren viele der Menschen gekommen, die sich für das Himmelmoor engagieren oder an dem Projekt mitgewirkt haben: Vertreter des Fördervereins Himmelmoor e. V., der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor e. V., des Träger- und Fördervereins Henri-Goldstein-Haus Quickborn e. V. und der Freunde des Waagehauses Himmelmoor e. V. sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, der Stadtwerke und der beteiligten Firmen. Auch zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs Liegenschaften um Fachbereichsleiter Helge Maurer sowie des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit um Fachbereichsleiter Volker Voß begleiteten die Inbetriebnahme.

Beckmann dankte allen Beteiligten für ihre Unterstützung, die politische Rückendeckung, das Fachwissen und die praktische Arbeit, die das Projekt möglich gemacht haben. Rund 490.000 Euro investiert die Stadt in die neue Nahwärmeversorgung einschließlich der Photovoltaikanlage. Weitere 310.000 Euro flossen in notwendige Bauunterhaltungs- und Infrastrukturmaßnahmen. Für die neue Heiztechnik wurde eine BAFA-Förderung in Höhe von 60.000 Euro bewilligt.

Für die jüngsten Gäste begann der Termin bereits mit einem kleinen Abenteuer: Die Kinder der DRK-Kita Hainbuchenstieg waren mit ihrer Leiterin Olga Keck gekommen und legten gemeinsam mit den übrigen Gästen die kurze Strecke vom Betriebshof zur neuen Lagerhalle mit der Torfbahn zurück. Später überraschten sie die Gäste mit einem Lied.

Und dann öffnete sich das große Tor der Lagerhalle. Dahinter türmten sich zwei große Berge aus Holzhackschnitzeln. Auf das Startsignal von Dan Zelck gab es für die Kinder kein Halten mehr: Sie kletterten hinauf und rutschten durch die Hackschnitzel wieder herunter. Auch Zelck und Bürgermeister Beckmann machten den Spaß mit.

So bekam die neue Wärmeversorgung noch eine ganz andere, ziemlich fröhliche Seite. Wo kurz zuvor über Energieversorgung, Naturschutz und Infrastruktur gesprochen worden war, wurde gelacht und gerutscht – mitten in dem Brennstoff, der künftig dabei hilft, die historischen Himmelmoorhäuser zu erhalten.

Foto: Auf zwei Bergen aus Holzhackschnitzeln: Bürgermeister Thomas Beckmann (Mitte), der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Luca Moriconi (links) sowie die Kinder der DRK-Kita Hainbuchenstieg mit Kita-Leiterin Olga Keck und Erzieher Bernd.