Bad Bramstedt. Ein gemeinsames Zeichen gegen das Vergessen haben am Dienstag Vertreterinnen und Vertreter aller vier Fraktionen der Bad Bramstedter Stadtverordnetenversammlung und des Seniorenbeirats gesetzt. Gemeinsam reinigten sie die Stolpersteine für Oskar Alexander und seinen Sohn Robert Alexander sowie die Gedenktafel an den Todesmarsch von Hamburg nach Kiel im April 1945.
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, deportiert, vertrieben oder ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln werden in der Regel dort in den Boden eingelassen, wo die Verfolgten zuletzt selbstbestimmt gelebt haben. So holen sie die Erinnerung an einzelne Menschen und ihre Lebensgeschichten mitten in den heutigen Alltag zurück.
In Bad Bramstedt erinnern die beiden Stolpersteine an Oskar Alexander und seinen Sohn Robert. Oskar Alexander ist eng mit der Entwicklung Bad Bramstedts als Kur- und Gesundheitsstandort verbunden. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm er die Bad Bramstedter Kuranlagen. 1929 entstand unter seinem maßgeblichen Wirken die Rheumaheilstätte Bad Bramstedt GmbH, aus der sich das heutige Klinikum Bad Bramstedt entwickelte. Oskar Alexander wurde deren erster Direktor und trug wesentlich dazu bei, Bad Bramstedt als Kurort überregional bekannt zu machen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Oskar Alexander als Jude zunehmend ausgegrenzt und seiner Ämter enthoben. 1941 wurde er erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er am 25. Januar 1942 ums Leben kam. Sein Sohn Robert konnte 1938 nach Kolumbien fliehen. Die Stolpersteine für Vater und Sohn wurden 2019 in der Oskar-Alexander-Straße verlegt.
Die ebenfalls gereinigte Gedenktafel an den Bad Bramstedter Mergelkuhlen erinnert an den Todesmarsch vom Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel in das „Arbeitserziehungslager Nordmark“ in Kiel-Hassee im April 1945. Rund 800 Gefangene wurden von der SS auf diesen Marsch gezwungen. Neun Menschen wurden unterwegs erschossen. An den Mergelkuhlen wurde am 13. April 1945 der 23-jährige sowjetische Gefangene Hamid Chamido ermordet. Er ist auf dem Bad Bramstedter Friedhof bestattet.
Hans Bilger vom Seniorenbeirat unterstreicht die Bedeutung der gemeinsamen Aktion: „Erinnerung ist keine Frage der politischen Zugehörigkeit, sondern eine gemeinsame Verantwortung. Dass heute alle vier Fraktionen und der Seniorenbeirat zusammenstehen, zeigt: Die Menschen, die verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, dürfen nicht vergessen werden. Ihre Namen und ihre Geschichten müssen auch für kommende Generationen sichtbar bleiben.“
Mit der gemeinsamen Reinigung setzen Stadtpolitik und Seniorenbeirat ein bewusstes Zeichen: Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und das Gedenken an ihre Opfer verbinden über Fraktions- und Generationengrenzen hinweg. Erinnerungskultur lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und die Spuren der Vergangenheit sichtbar halten.
