Eine zentrale Entscheidung für die Zukunft der Goethe-Schule ist gefallen: In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für kommunale Dienstleistungen (AKD), für Bildung, Kultur und Freizeit (ABKF) sowie für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) hat sich die Quickborner Politik am Mittwochabend (23. September) mit großer Mehrheit für einen Neubau der Grundschule ausgesprochen. Damit folgt sie der Empfehlung der Stadtverwaltung und bestätigt zugleich die bereits 2024 eingeschlagene Richtung. Nach dem ambitionierten Zeitplan soll die neue Schule bereits bis Ende 2029 fertiggestellt sein.
Der Entscheidung vorausgegangen waren intensive Prüfungen, Berechnungen und Gespräche sowie eine ausführliche Abwägung zwischen Sanierung und Neubau. Die Vorkalkulationen bewegen sich für beide Varianten in einer ähnlichen Kostenbandbreite. In die Entscheidung flossen deshalb neben den Kosten insbesondere der zeitliche Rahmen, die Anforderungen an eine moderne Grundschule mit Offenem Ganztag sowie die schwer kalkulierbaren Risiken einer Sanierung im Bestand ein.
„Für Quickborn ist das eine Entscheidung von besonderer Tragweite. Über die Zukunft der Goethe-Schule wird seit vielen Jahren diskutiert. Jetzt haben wir eine klare Richtung und können endlich konkret daran arbeiten, eine moderne Schule für die kommenden Generationen zu bauen. Darüber freue ich mich sehr“, sagt Bürgermeister Thomas Beckmann. „Diese Entscheidung gibt uns die notwendige Planungssicherheit, um jetzt konsequent weiterarbeiten zu können.“
Das bestehende Gebäude der Goethe-Schule stammt in wesentlichen Teilen aus den 1960er-Jahren. Untersuchungen der Bausubstanz und ein Schadstoffgutachten sind in die Überlegungen eingeflossen. Solange nicht in belastete Bauteile eingegriffen wird, besteht nach den vorliegenden Untersuchungen keine Gefährdung für den laufenden Schulbetrieb. Umfangreiche Bau- oder Sanierungsarbeiten würden die Situation jedoch grundlegend verändern und erhebliche organisatorische Anforderungen an einen parallel laufenden Schulbetrieb stellen.
Auch deshalb war eine geeignete Interimslösung ein wichtiger Bestandteil der Beratungen. Die Politik sprach sich dafür aus, während der Bauphase Flächen auf dem Campus der Schulen in freier Trägerschaft an der Feldbehnstraße anzumieten. Nach den vorgestellten Planungen können dort rund 2.000 Quadratmeter für die Goethe-Schule zur alleinigen Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Weitere Flächen in ähnlicher Größenordnung, darunter Schulhof- und Sportflächen, könnten gemeinschaftlich genutzt werden.
Damit könnte der Schulbetrieb der derzeit rund 260 Schülerinnen und Schüler während der Bauzeit räumlich vom Baufeld getrennt werden. Die vertraglichen Einzelheiten zur Anmietung befinden sich noch in Abstimmung mit dem Träger der freien Schulen.
Für Nicole Theemann, Schulleiterin der Goethe-Schule, bedeutet die Entscheidung vor allem Erleichterung: „Wir freuen uns sehr, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist und etwas für unsere Schule getan wird. Ein Neubau gibt uns die Möglichkeit, endlich auch räumlich die Voraussetzungen für die pädagogischen Ansätze zu schaffen, die wir heute im Unterricht verfolgen wollen.“
Dr. Elke Fooken, Schulrätin des Kreises Pinneberg für die Region Quickborn, begrüßt insbesondere die räumliche Trennung von Schule und Baustelle. Aus ihrer Erfahrung mit Schulbaumaßnahmen sei dies eine sehr gute Lösung, weil Risiken vermieden würden, die bei laufendem Schulbetrieb auf einem Baufeld entstehen könnten. Zugleich biete ein Neubau deutlich mehr Spielraum, neue pädagogische Konzepte umzusetzen.
Die geplante Unterbringung auf dem Campus der freien Schulen stellt zugleich besondere Anforderungen an Verkehr und Schulwege. Darauf wiesen Eltern der dortigen Schulen während der Sitzung hin. Die Stadtverwaltung nimmt diese Hinweise ernst und wird Fragen der Schulwegsicherung und Verkehrsführung im weiteren Verfahren besonders berücksichtigen. Auch Schulleiterin Theemann betont mit Blick auf die gemeinsame Zeit am Interimsstandort den Wunsch nach einer vertrauensvollen Zusammenarbeit der Schulen auf Augenhöhe.
Planung und Bau sollen eng verzahnt werden
Unmittelbar nach der Entscheidung für den Neubau berieten die Ausschüsse darüber, wie das Projekt möglichst verlässlich und zügig umgesetzt werden kann. Helge Maurer, Fachbereichsleiter Liegenschaften der Stadt Quickborn, stellte dazu drei unterschiedliche Vergabemodelle vor.
Die Politik entschied sich einstimmig für die von der Verwaltung empfohlene zeitlich günstigste Variante. Planung und Bau sollen möglichst eng verzahnt und in einem gebündelten Vergabeverfahren organisiert werden. Die Stadt verspricht sich davon vor allem Zeitgewinn und größere Verbindlichkeit bei der Umsetzung.
Der Zeitfaktor ist auch mit Blick auf mögliche Fördermittel entscheidend. Für den Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote an Grundschulen hatte die Stadt fristgerecht Mittel aus dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau beantragt.
Nach den inzwischen präzisierten Ausführungen zum Förderprogramm ist allerdings nicht mehr davon auszugehen, dass die ursprünglich beantragte Größenordnung von rund sechs Millionen Euro vollständig erreicht werden kann. Entscheidend ist unter anderem, welcher Anteil der Flächen tatsächlich dem rechtsanspruchserfüllenden Ganztag zugeordnet werden kann. Bei gemischt genutzten Flächen ist nur der entsprechende Ganztagsanteil förderfähig. Die Stadt wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den höchstmöglichen Anteil der ursprünglich beantragten Fördersumme für Quickborn zu sichern.
Dafür gilt ein ambitionierter Zeitplan: Geförderte Maßnahmen müssen bis spätestens 31. Dezember 2029 abgeschlossen sein. Aus Sicht der Verwaltung bietet der Neubau in Verbindung mit dem gewählten Vergabemodell die beste Möglichkeit, diesen Zeitrahmen einzuhalten.
Intensive Abwägung zwischen Neubau und Sanierung
Wie intensiv um die Entscheidung gerungen wurde, zeigte die ausführliche Beratung in der voll besetzten Mensa der Comenius-Schule. Zahlreiche Eltern der Goethe-Schule und der Schulen in freier Trägerschaft verfolgten die Diskussion.
Auch Argumente für den Erhalt und eine Sanierung des bestehenden Gebäudes wurden eingebracht. Die Goethe-Schule ist seit Jahrzehnten mit der Geschichte der Stadt verbunden. Dem stehen nach Einschätzung der Verwaltung erhebliche bauliche, zeitliche und wirtschaftliche Risiken gegenüber. Eine Sanierung müsste mit umfangreichen Umbauten und Erweiterungen verbunden werden. Zusätzliche Risiken bei Eingriffen in die bestehende Bausubstanz wären nur eingeschränkt kalkulierbar.
Auch die Fraktionen bewerten die Entscheidung vor dem Hintergrund der langen Vorgeschichte und der noch bevorstehenden Planungsschritte.
Für die FDP ist der Beschluss ein wichtiger Schlusspunkt unter eine jahrelange Diskussion. „Für uns war das ein emotionaler Moment, weil wir uns seit vielen Jahren für den Erhalt des Schulstandortes eingesetzt haben“, sagt Fraktionsvorsitzender Jürgen Scharley. „Jetzt gibt es endlich eine klare Entscheidung und es kann losgehen.“
Die CDU begrüßt insbesondere, dass nun sowohl beim Standort als auch bei der Frage Neubau oder Sanierung eine Entscheidung gefallen ist. „Wir sind froh, dass das Ringen sowohl um den Standort als auch um die Frage, in welcher Form die Goethe-Schule künftig aufgestellt wird nun zu Ende ist“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Annegret Tegen. „Die Interimslösung halten wir für eine gute Übergangslösung und hoffen natürlich, dass der Bau jetzt zügig durchgeführt werden kann. Uns war immer wichtig, dass alle Schulen in Quickborn auf einen sehr guten Stand gebracht werden.“
Auch die SPD begrüßt, dass das Projekt nun konkret vorangebracht wird, hätte sich bei der Ausgestaltung jedoch einen offeneren Weg zwischen den Varianten gewünscht. „Wir sind froh, dass es jetzt weitergeht und Nägel mit Köpfen gemacht werden“, sagt Fraktionsvorsitzender Dirk Rust. „Wichtig ist uns, dass die Erkenntnisse aus der Leistungsphase 0 und insbesondere die Ideen von Eltern und Schule im weiteren Verfahren nicht verloren gehen.“
Bei Bündnis 90/Die Grünen wurde die Entscheidung nach Angaben von Anke Thomsen intensiv abgewogen. Kritisch sieht die Fraktion, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässliche Kostenschätzung vorliegt. Ausschlaggebend sei letztlich auch der deutlich geäußerte Wunsch der Schulfamilie nach einem Neubau gewesen. „Uns war wichtig, die Perspektive der Eltern und der Schule in die Entscheidung einzubeziehen. Jetzt muss das weitere Verfahren zeigen, wie sich Planung und Kosten konkret entwickeln“, sagt Thomsen.
Bereits Anfang 2025 hatte die Ratsversammlung mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 114 „Goethe-Schule“ den planungsrechtlichen Rahmen für einen Neubau am bisherigen Standort geschaffen. Die jetzige Entscheidung schafft die Grundlage, die nächsten Planungsschritte konkret voranzutreiben.
Bürgermeister Thomas Beckmann bedankte sich zum Abschluss bei den Ausschussmitgliedern, den Vertreterinnen und Vertretern der Schulen, den Eltern sowie allen weiteren Beteiligten für die sachliche und konstruktive Diskussion.
„Bei einem Projekt, das viele Familien in Quickborn über Jahre begleiten wird und zugleich eine große Investition für die Stadt bedeutet, gehören unterschiedliche Sichtweisen dazu“, sagt Beckmann. „Entscheidend ist, sie offen miteinander abzuwägen und anschließend eine klare Richtung einzuschlagen. Diese Richtung haben wir jetzt.“
Mit der Entscheidung für den Neubau, der vorgesehenen Interimslösung und dem gewählten Vergabeweg sind damit drei wesentliche Weichen für die weitere Entwicklung der Goethe-Schule gestellt.
